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Kirche entlässt Poker-Priester

  • Metropolit Nestor abgesetzt
    Die Russische Orthodoxe Kirche hat einen Bischof ihrer westeuropäischen Gemeinden entlassen.
  • Offizieller Grund: Poker.
    Nestor soll Kirchenmittel genutzt haben, um an internationalen Pokerturnieren teilzunehmen.
  • Poker-Gewinne nachweisbar:
    Unter seinem bürgerlichen Namen Yevgeny Sirotenko erspielte er über 47.000 US-Dollar.
  • Kirchliche Untersuchung läuft
    Der Patriarch Kirill leitete ein Disziplinarverfahren ein – offiziell wegen Glücksspiel, inoffiziell wohl wegen Politik.
  • Kritik an Kriegspolitik
    Nestor hatte sich mehrfach gegen Russlands Invasion in der Ukraine ausgesprochen.
  • Unterstützung aus den Gemeinden
    Gläubige in Frankreich und Spanien verteidigen ihn als integren und menschennahen Geistlichen.
  • Machtkampf in der Kirche
    Hinter der Fassade eines Glücksspielskandals tobt ein tiefer Konflikt um Loyalität, Einfluss und Moral.
Redakteur Simon
Redakteur
Redakteur Enrico
Geprüft durch
  • Enrico
Veröffentlicht

24.11.2025

Aktualisiert

24.11.2025

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Zwischen Kanzel und Kartentisch

Als Patriarch Kirill am 8. November die Absetzung von Metropolit Nestor verkündete, traf das viele Gläubige in Europa unvorbereitet. Der Bischof, zuständig für Gemeinden in Frankreich, Spanien, Portugal und Italien, galt als weltoffen und zugänglich – bis plötzlich seine Pokerleidenschaft Schlagzeilen machte. Er soll mehrfach an Turnieren in Paris, den Niederlanden und sogar Kambodscha teilgenommen haben – laut Datenbank The Hendon Mob mit rund 47.000 US-Dollar an Preisgeldern. Offiziell heißt es, Nestor habe gegen kirchliche Regeln verstoßen, die Geistlichen jegliches Glücksspiel untersagen. Kirchenjournalistin Ksenia Luchenko äußerte sich wie folgt:

Er hat seine Priester immer verteidigt und sich nie Moskaus politischer Linie unterworfen.

Die offizielle Begründung lautet also „Verstoß gegen Kirchenrecht“. Doch viele Beobachter halten das für vorgeschoben. Denn kaum jemand glaubt, dass allein ein paar Pokerturniere zu einer derart drastischen Strafe geführt hätten. Hinter den Kulissen scheint es um weit mehr zu gehen: um Loyalität, Kontrolle – und die Haltung zum Krieg. Nestor hatte sich 2022 öffentlich gegen Russlands Invasion in der Ukraine ausgesprochen und einen Friedensappell gemeinsam mit einem spanischen Erzbischof unterzeichnet. Dass er sich damit dem Kurs der Moskauer Kirchenführung widersetzte, gilt als offenes Geheimnis. Die Poker-Affäre bietet nun den willkommenen Vorwand, einen unbequemen Geistlichen zu entmachten.

Der politische Hintergrund

Die Russische Orthodoxe Kirche steht seit Jahren eng an der Seite des Kremls. Patriarch Kirill bezeichnete den Tod russischer Soldaten im Krieg sogar als „Sünden reinigend“. Viele Geistliche im Ausland tun sich jedoch schwer mit dieser Linie – besonders jene, die in westeuropäischen Ländern seelsorgerisch tätig sind. Nestor gehörte zu ihnen. In seinen Gemeinden wurde offen über Frieden und Menschlichkeit gesprochen, während in Moskau nationalistischer Eifer wuchs. Dass er sich in Tschechien mit einem exilierten Metropoliten traf, gilt als weiterer Affront gegen Kirill. Offiziell läuft nun eine kirchenrechtliche Untersuchung.

Ein Bischof mit Doppelleben?

Während die einen Nestor als Verräter an der Kirche sehen, feiern ihn andere als mutigen Mann, der sich nicht beugen ließ. In Paris sammeln Gläubige Unterschriften für seine Rehabilitierung, einige würden ihm sogar in eine neue, unabhängige orthodoxe Gemeinschaft folgen. Seine Leidenschaft fürs Kartenspiel – nach eigenen Angaben „strategisches Denken, kein Glücksspiel“ – sei nur ein Teil seines Lebens, sagen Unterstützer. Doch in der streng reglementierten Orthodoxie gibt es kaum Platz für Grautöne.

Dass Nestor nun ausgerechnet wegen Poker stürzt, während andere wegen politischer Propaganda befördert werden, zeigt die paradoxe Moral einer Kirche im Machtkampf. Nestor selbst schweigt bisher. Seine Online-Profile verschwanden, seine Gemeinden warten auf neue Führung. Ob er künftig bei der rivalisierenden Kirche von Konstantinopel Unterschlupf findet, bleibt offen. In den sozialen Netzwerken wird der „Poker-Priester“ schon jetzt zum Symbol – für Doppelmoral, Mut und die Zerreißprobe zwischen Glauben und Politik. Ob am Pokertisch oder in der Kirche: Wer blufft, verliert irgendwann.

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