- Großrazzia gegen illegale Sportwetten: Fast 1.000 Einsatzkräfte durchsuchen in vier Ländern.
Der koordinierte Schlag richtete sich gegen ein mutmaßlich seit 2012 aktives Netzwerk illegaler Wettanbieter. - Schaden in Millionenhöhe: Die Bande soll systematisch Steuern hinterzogen haben.
Gesetzlich vorgeschriebene Wettabgaben wurden über Jahre nicht gezahlt, Einsätze lagen teils im sechsstelligen Bereich. - Betroffen: Mitarbeiter aus dem Umfeld des Anbieters Bet3000.
Die Firma IBA Entertainment distanziert sich und versichert Kooperation mit den Behörden. - Durchsuchungen auch bei Spielern und Zeugen.
Wer wissentlich auf illegalen Seiten wettete, geriet ebenfalls ins Visier der Ermittler. - Luxusleben durch illegales Geschäft.
Die Verdächtigen sollen mit den Gewinnen teure Autos, Reisen und Immobilien finanziert haben.
Koordinierter Schlag gegen illegales Wettnetzwerk
In einem bislang einmaligen Einsatz ist Ermittlern in Deutschland ein groß angelegter Schlag gegen illegale Online-Sportwetten gelungen. Rund 950 Polizisten, Steuerfahnder und Staatsanwälte durchsuchten am vergangenen Mittwoch insgesamt 162 Objekte – nicht nur in sieben Bundesländern, sondern auch in Österreich, Spanien und auf Malta. Die Aktion war Teil eines großangelegten Ermittlungsverfahrens unter Leitung der Münchner Kriminalpolizei – mit Beteiligung zahlreicher Behörden im In- und Ausland.

Im Zentrum der Ermittlungen stehen mutmaßlich hierarchisch organisierte Tätergruppen, die über sogenannte schwarze Webseiten seit mindestens 2012 ein weit verzweigtes illegales Wettsystem betrieben haben sollen. Die Plattformen waren nicht öffentlich zugänglich – Zugang erhielten Spieler nur über persönliche Kontakte, was das Netzwerk schwerer zu durchdringen machte. Die Websites boten Wetten auf Fußballspiele und andere Sportereignisse an, ganz ohne staatliche Lizenz, ohne Einsatzlimits und ohne Wettsteuer.
Bet3000 unter Druck
Besonders im Fokus: Mitarbeiter aus dem Umfeld des bekannten Wettanbieters Bet3000. Zwar betonen Polizei und Staatsanwaltschaft, dass sich die Ermittlungen nicht gegen das Unternehmen selbst richten. Doch die Nähe zu dem Netzwerk weckt Fragen. In einer Stellungnahme erklärte die in Malta ansässige Muttergesellschaft IBA Entertainment, man nehme die Vorwürfe sehr ernst und werde umfassend mit den Behörden kooperieren.
Wir nehmen diese Vorwürfe sehr ernst und werden vollumfänglich mit den Behörden kooperieren.
Bet3000 war zuletzt selbst in Konflikt mit der deutschen Glücksspielregulierung geraten: Im Sommer 2024 war dem Anbieter vorübergehend die Lizenz entzogen worden – wegen angeblicher technischer Mängel. Das Verwaltungsgericht Halle hob den Lizenzentzug Ende Juni jedoch vorläufig auf. Seither ist Bet3000 wieder auf der offiziellen Whitelist der GGL gelistet. Der aktuelle Fall dürfte dem ohnehin belasteten Image der Branche weiter zusetzen.
Keine Festnahmen – aber Ermittlungen gegen Spieler
Verhaftet wurde bislang niemand – laut Staatsanwaltschaft fehlten dafür die Voraussetzungen wie etwa Fluchtgefahr. Dennoch hat der Einsatz eine klare Signalwirkung. Die Ermittlungen richten sich inzwischen nicht nur gegen Betreiber, sondern auch gegen Nutzer der illegalen Seiten. Rund 90 Spieler sollen wissentlich auf den nicht lizenzierten Plattformen gewettet haben.
Was bleibt, ist das Bild eines Systems, das über Jahre funktionierte – parallel zum regulierten Markt, mit bewusst gesetzeswidrigem Geschäftsmodell. Die kriminellen Gewinne flossen offenbar direkt in Luxusimmobilien, Sportwagen und exklusive Reisen. Ob daraus Anklagen folgen, bleibt abzuwarten – die Behörden werten nun massenhaft Beweismittel aus. Und die Branche schaut gespannt zu.

Keine Kommentare vorhanden