- Sammelklage wegen organisierter Kriminalität
Drake, Streamer Adin Ross und ein Australier werden in einer RICO-Klage beschuldigt, illegales Glücksspiel mit künstlich aufgeblähten Streaming-Zahlen verbunden zu haben. Die Kläger fordern mindestens 5 Millionen Dollar Schadenersatz. - Stake.us als illegales Casino getarnt
Die Plattform Stake.us gibt vor, ein „Social Casino“ ohne echtes Geld zu sein. Tatsächlich kann die virtuelle Währung „Stake Cash“ 1:1 in Dollar umgetauscht werden – was das System zu illegalem Glücksspiel machen dürfte. - 100 Millionen Dollar jährlich für Drake
Der Rapper soll laut Klage 100 Millionen Dollar pro Jahr von Stake erhalten, um die Plattform zu bewerben. Seine Live-Gambling-Streams auf Instagram und Kick erreichen Millionen Zuschauer. - Geld-Transfers über „Tipping“-Funktion
Drake, Ross und George Nguyen sollen über Stakes unregulierte „Tipping“-Funktion Millionen transferiert haben. Diese Gelder flossen angeblich an Bot-Betreiber, um Drakes Streaming-Zahlen künstlich zu erhöhen. - Virginia-Klägerinnen als Geschädigte
LaShawnna Ridley und Tiffany Hines geben an, durch Drakes Werbung zum Glücksspiel verleitet worden zu sein. Sie repräsentieren alle Stake.us-Nutzer, die in den letzten drei Jahren Geld verloren haben.
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00:00 / 00:00Die Anklage: Ein System aus Glücksspiel, Krypto und Bots
Am letzten Tag des Jahres 2025 reichten zwei Frauen aus Virginia eine Klage ein, die das Potenzial hat, die Musikindustrie zu erschüttern. LaShawnna Ridley und Tiffany Hines werfen Drake, dem erfolgreichsten Streaming-Künstler der letzten Dekade, vor, Teil eines kriminellen Netzwerks zu sein. Die Anklage stützt sich auf das RICO-Gesetz – das Racketeer Influenced and Corrupt Organizations Act –, das ursprünglich zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität entwickelt wurde. Die Vorwürfe sind komplex und verflechten drei scheinbar unabhängige Bereiche: illegales Online-Glücksspiel, unregulierte Geldtransfers und systematische Manipulation von Musik-Streaming-Plattformen.
Im Zentrum steht Stake.us, die US-Version der auf Curaçao lizenzierten Glücksspielplattform Stake.com. Während Stake.com in den USA, Australien und Großbritannien offiziell verboten ist, operiert Stake.us unter dem Deckmantel eines „Social Casino„. Nutzer spielen mit virtuellen Token – „Gold Coins“ und „Stake Cash“ –, wobei letztere angeblich gegen Kryptowährung oder digitale Geschenkkarten eingelöst werden können. Die Klage argumentiert, dass dies de facto echtes Geld darstellt und Stake.us somit ein illegales Glücksspielportal betreibt, das Regulierungen umgeht. Drake ist seit 2022 Markenbotschafter für Stake und soll laut Financial Times mindestens 100 Millionen Dollar pro Jahr für seine Promotion erhalten.
Doch die Klage geht weit über Glücksspielvorwürfe hinaus. Sie behauptet, dass Drake, der 25-jährige Streamer Adin Ross und der Australier George Nguyen die „Tipping“-Funktion von Stake missbraucht haben – ein System, das Nutzern erlaubt, sich gegenseitig virtuelle Währung zu übertragen. Diese Funktion, so die Anklage, agiere als „unbegrenzter und vollkommen unregulierter Geldtransmitter außerhalb jeder Finanzaufsicht“. Drake soll Ross Beträge von bis zu 100.000 Dollar „getippt“ haben, die letztlich bei Nguyen landeten. Nguyen wiederum soll als Vermittler fungiert haben, der Stake-Kryptowährung in Bargeld umwandelte und die Gelder an Bot-Betreiber weiterleitete.
Stake.us: Das Casino, das keines sein will
Die Täuschung beginne bereits bei der grundlegenden Positionierung, argumentiert die Klage. Stake.us bezeichne sich als „Social Casino“ – ein Begriff, der suggeriere, es handle sich um eine harmlose Unterhaltungsplattform. In seinen Hilfetexten definiert Stake ein Social Casino als „eine Online-Plattform, die Casino-Stil-Spiele zu Unterhaltungszwecken anbietet, ohne echtes Geld zu involvieren. Stattdessen verwenden wir Tokens (Gold Coins und Stake Cash).“ Die Plattform behaupte, Nutzer könnten „eine Vielzahl von Casino-Spielen genießen, aber mit der Nutzung virtueller Währung – Tokens – statt echtem Geld.“
Was ist Stake.us?
Stake.us ist eine Online-Casino-Plattform, die sich selbst als „Social Casino“ bezeichnet und vorgibt, nur virtuelles Glücksspiel ohne echtes Geld anzubieten. Die Plattform ist die US-Version von Stake.com, einer auf Curaçao lizenzierten Glücksspielseite.
Zahlen & Fakten
- Gegründet 2022 als US-Ableger von Stake.com
- Fast 2.000 Casino-Spiele verfügbar
- Stake Cash: 1:1 Umtausch in US-Dollar
- Drake: 100 Millionen Dollar jährlich seit 2022
- 6 laufende Zivilklagen in US-Bundesstaaten
- Klage fordert mindestens 5 Millionen Dollar
„Das ist nachweislich falsch“, heißt es in der Klage. Stake.us biete traditionelle Casino-Spiele mit der Möglichkeit, Wetten zu platzieren und Gewinne auszuzahlen. Die Plattform verschleiere ihre wahre Natur durch komplizierte Formulierungen. Während Gold Coins tatsächlich keinen monetären Wert hätten und lediglich zu Unterhaltungszwecken dienten, könne Stake Cash gegen Kryptowährung oder digitale Geschenkkarten eingelöst werden. „Für jeden ausgegebenen Dollar beim Kauf von Gold Coins bündelt Stake eine nahezu gleichwertige Menge an Stake Cash“, erklärt die Klage. Wenn Spieler gewinnen, können sie Stake Cash auszahlen lassen. Verlieren sie, müssen sie mehr „wertlose Gold Coins“ kaufen, die mit mehr Stake Cash gebündelt werden – der klassische Mechanismus eines Casinos.
Die Plattform biete auch Live-Dealer-Spiele, die Nutzern erlauben, „mit menschlichen Dealern zu interagieren“ und zu erleben, „wie es wäre, in einem landbasierten Casino zu sein, während man bequem zu Hause hinter dem Computerbildschirm oder auf dem Mobilgerät sitzt“, zitiert die Klage aus Stake-Materialien. Diese Live-Dealer-Spiele würden in einem Studio gefilmt, und Spieler könnten auf Ergebnisse wetten – etwa auf den Spin eines Roulette-Rads oder die nächste Blackjack-Karte. „Stakes Live-Dealer-Spiele sind, wie ihr Gegenstück in einem physischen Casino, Glücksspiele.“

Die Tipping-Funktion: Ein unregulierter Geldtransmitter
Im Herzen des angeblichen Systems steht eine scheinbar harmlose Feature: die „Tipping“-Funktion von Stake.us. Diese erlaubt es Nutzern, sich gegenseitig virtuelle Währung zu übertragen – eine Funktion, die auf vielen Gaming- und Streaming-Plattformen existiert. Doch die Kläger beschreiben sie als „einen unbegrenzten und vollkommen unregulierten Geldtransmitter, der außerhalb der Aufsicht jedes Finanzregulators zu existieren scheint.“
Die Klage dokumentiert konkrete Beispiele für große Transfers. „Ein Beispiel für einen öffentlich dokumentierten Großwert-Tip ist ein 100.000-Dollar-‚Tipping‘-Transfer zwischen den Angeklagten Drake und Ross im Jahr 2023“, heißt es im Dokument. Ein weiterer Livestream zeige einen 10.000-Dollar-Tip. „Zusätzliche Stream-Aufzeichnungen zeigen wiederholte substanzielle Austausche zwischen Drake und Ross, die über Stake geleitet wurden, mit laufenden Geldströmen, nach Informationen und Überzeugung, die insgesamt Millionen von Dollar betragen – Beträge, die, nach Informationen und Überzeugung, fortgesetzte Botting- und Verstärkungsbemühungen finanziert haben.“
Kurz vor Einreichung der Klage habe Drake Ross ein 220.000-Dollar-Auto geschenkt – ein weiterer Hinweis auf die enge finanzielle Verflechtung. Im Dezember 2024 habe Drake im Rahmen seiner „Drizzmas Giveaway“-Aktion in Partnerschaft mit Ross und Stake große Geldsummen verschenkt. „Diese Tips und viele andere wie sie zirkulierten zwischen den Angeklagten Drake, Ross und Nguyen – und finanzierten Botting- und bezahlte Engagement-Kampagnen.“
Was kommt als Nächstes?
Die rechtliche Situation ist komplex und weitreichend. Die Kläger fordern nicht nur Schadenersatz, sondern auch strukturelle Veränderungen. Sie verlangen „einstweilige und deklaratorische Verfügungen, um weiteres rechtswidriges Verhalten zu verhindern“, sowie „Rückerstattung und Rückforderung von Beträgen, die von den Angeklagten unrechtmäßig erlangt wurden.“ Unter RICO können Schadensersatzforderungen verdreifacht werden – was bei einer geforderten Mindestsumme von 5 Millionen Dollar erhebliche finanzielle Konsequenzen haben könnte. Die Virginia-Klage ist nicht die erste gegen Drake und Stake. Die Klage selbst erwähnt, dass im Oktober 2025 ein Mann aus Missouri eine ähnliche Sammelklage eingereicht hat, die für den 20. März 2026 zur Verhandlung ansteht. Ende Oktober folgte eine weitere Klage in New Mexico.

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