- Timothy McCormack erhält erste Haftstrafe im NBA-Wettskandal
Der 38-jährige Spielsüchtige wurde zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Er nutzte Insiderinformationen von NBA-Profis, um lukrative Wetten zu platzieren. - Terry Rozier und Jontay Porter im Zentrum der Ermittlungen
Das Komplott weitet sich aus. Während Porter bereits schuldig plädiert hat und lebenslange NBA-Sperre kassierte, bestreitet Rozier die Vorwürfe. Der Miami-Heat-Guard bleibt gegen 3 Millionen Dollar Kaution frei. - Bundesrichterin zeigt Verständnis für Suchtproblematik
Trotz des schweren Vergehens fiel das Urteil milder aus als von der Staatsanwaltschaft gefordert. Die Verteidigung hatte auf Bewährung gehofft, die Anklage vier Jahre Haft verlangt. - Insider-Wetten brachten über 1,2 Millionen Dollar Gewinn
McCormack und seine Komplizen setzten auf „Under“-Wetten bei Spielerleistungen. Der Clou: Sie wussten im Voraus, dass die betreffenden Profis Spiele vorzeitig verlassen würden. - Wettanbieter DraftKings und FanDuel froren Gewinne ein
Die Plattformen erkannten die auffälligen Wettmuster. Der Großteil der Gewinne wurde blockiert, bevor die Betrüger kassieren konnten. - McCormack kämpft seit Jahrzehnten gegen Spielsucht
„Ich leide seit mehr als der Hälfte meines Lebens unter Glücksspielsucht“, erklärte der Verurteilte vor Gericht. Die Richterin sah darin einen mildernden Umstand. - Erste von mehreren erwarteten Verurteilungen
McCormack ist nur der Anfang. Mindestens sechs weitere Beschuldigte warten auf ihre Prozesse. Das gesamte Ausmaß des Skandals bleibt noch im Dunkeln.
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00:00 / 00:00NBA-Wettskandal erschüttert Profi-Basketball
Die US-Justiz macht Ernst im größten Manipulationsskandal der NBA seit Jahrzehnten. Timothy McCormack, ein selbsterklärter Spielsüchtiger aus New York, kassierte am Mittwoch als erster Beteiligter eine Gefängnisstrafe. Zwei Jahre muss er hinter Gitter – für einen Mann, der jahrelang vom illegalen Wettgeschäft lebte, ein glimpfliches Ende einer kriminellen Karriere. Bundesrichterin LaShann DeArcy Hall sprach das Urteil in Brooklyn. Sie blieb deutlich unter den vier Jahren, die Staatsanwalt David Berman gefordert hatte. „Er ist suchtkrank“, begründete die Richterin ihre Entscheidung. „Dieses Verhalten definiert nicht, wer Mr. McCormack ist.“ Gleichzeitig stellte sie klar: „Ohne Zweifel handelt es sich um ein schweres Verbrechen. Sport bedeutet mir als Individuum etwas, wie er auch der Gesellschaft etwas bedeuten sollte.“
Die Verteidigung hatte auf eine Bewährungsstrafe gehofft – vergeblich. McCormacks Anwalt Jeffrey Chartier beschrieb seinen Mandanten als „degenerierter Spieler, über den man einen Film drehen könnte“. Die Wettplattformen, so der Verteidiger, würden von Menschen wie seinem Klienten leben. Dass sie nun als Opfer aufträten, besitze „definitiv eine gewisse Ironie“. Bei der Urteilsverkündung am 21. Januar vor dem Bundesgericht teilte McCormack mit:
Ich leide seit mehr als der Hälfte meines Lebens unter Glücksspielsucht. Diese Sucht hat mich in eine Situation gebracht, die ich zutiefst bereue.
McCormack nutzte geheime Absprachen mit NBA-Profis, um systematisch Wettanbieter zu betrügen. Das Prinzip: Er wusste vorab, wann Spieler aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig vom Parkett gehen würden – öffentlich war diese Information nicht. Mit diesem Vorsprung platzierte er „Under“-Wetten auf die Leistungsdaten der betreffenden Athleten. Quasi ein Selbstläufer. Die Masche funktionierte bei mindestens drei dokumentierten Spielen. Am 26. Januar 2024 verließ Jontay Porter, damals bei den Toronto Raptors unter Vertrag, das Match gegen die Los Angeles Clippers vorzeitig. Exakt wie von McCormack und seinen Komplizen geplant. Am 20. März 2024 wiederholte sich das Szenario im Spiel gegen die Sacramento Kings. Identisches Muster, identischer Profit.
Zwei NBA-Profis im Zentrum des Skandals
Das Netz zieht sich weiter. Im Oktober 2025 erweiterten die Bundesbehörden ihre Anklage dramatisch. Plötzlich stand nicht mehr nur der weitgehend unbekannte Jontay Porter im Fokus, sondern Terry Rozier – ein etablierter NBA-Guard mit Millionenvertrag bei Miami Heat.
Rozier soll am 23. März 2023 einen engen Freund vorab informiert haben, dass er das Spiel zwischen den Charlotte Hornets und den New Orleans Pelicans verletzungsbedingt früher verlassen würde. Zu diesem Zeitpunkt spielte der Point Guard noch für Charlotte. Die Information blieb unter Verschluss, erreichte aber rechtzeitig die Wettkreise. Bevor sich die Quoten verschoben, flossen die Einsätze. Der 30-Jährige bestreitet die Vorwürfe vehement. Im Dezember 2025 plädierte er vor dem Bundesgericht auf nicht schuldig – die Anklagepunkte wiegen schwer: Verschwörung zu Betrug über elektronische Kommunikationswege und Verschwörung zur Geldwäsche. Bis zur Verhandlung im März bleibt er gegen drei Millionen Dollar Kaution frei. Der Heat stellte ihn unbezahlt frei.
Ganz anders Jontay Porter. Sein Schicksal ist bereits besiegelt. Der ehemalige Forward der Toronto Raptors gestand die Vorwürfe 2024 vor dem Bundesgericht. Commissioner Adam Silver verhängte die härteste Sanktion: lebenslange NBA-Sperre. Mit 25 Jahren ist Porters Karriere vorbei, bevor sie richtig begann. Seine Statistiken blieben bescheiden: 26 Spiele, durchschnittlich 4,4 Punkte. Sportlich schaffte er nie den Durchbruch, den sein älterer Bruder Michael Porter Jr. bei den Denver Nuggets erlebte. Sein Strafmaß steht noch aus – Experten rechnen mit mehreren Jahren Haft.

Ausblick: Weitere Verurteilungen stehen bevor
McCormacks Urteil ist lediglich der Auftakt. Mindestens sechs weitere Beschuldigte warten auf ihre Prozesse. Darunter Bruce Pham, Ammar Awawdeh und Mahmud Mollah – Namen, die in der Anklageschrift auftauchen. Einer der Angeklagten versuchte nach seiner Verhaftung im Juni 2024, nach Australien zu fliehen. Die Behörden stoppten ihn am Flughafen. Die NBA selbst steht unter Druck. Im Oktober 2025 versendete die Liga ein internes Memo an alle Teams. Darin warnte Commissioner Adam Silver vor den „verheerenden Risiken, die Glücksspiel für Karrieren und Existenzen bedeutet“. Die Liga verstärkte ihre Aufklärungsprogramme für Spieler, verschärfte die Meldepflichten bei Verletzungen und überarbeitete ihre Compliance-Richtlinien.
Kritiker fragen, ob das reicht. Sportwetten sind in den USA ein Milliardengeschäft. Seit 2018, als das Bundesgerichtsurteil Murphy v. NCAA das nationale Verbot kippte, haben 38 Bundesstaaten Sportwetten legalisiert. Die NBA selbst verdient über Sponsoring-Deals mit Wettanbietern Hunderte Millionen Dollar jährlich. Das Geschäft mit dem Glücksspiel ist allgegenwärtig. Für McCormack beginnt am 20. April die Haftstrafe. Danach folgt ein Jahr überwachte Bewährung. Die Richterin verbot ihm während dieser Zeit jede Form von Glücksspiel. Casinos zu besuchen, erachtete sie als überflüssige Einschränkung. Ihr nüchternes Fazit: „Glücksspiel ist auf jedem Smartphone verfügbar.“

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