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Schweden: Kreditverbot beim Glücksspiel ab Mai 2026

  • Riksdag beschließt erweitertes Kreditverbot
    Der schwedische Reichstag hat die Änderung des Spielgesetzes von 2018 verabschiedet. Lizenzhalter und Spielvermittler dürfen künftig keine kreditfinanzierten Einsätze mehr akzeptieren.
  • Inkrafttreten: 1. Mai 2026
    Ursprünglich war der 1. April 2026 angepeilt. Spielanbieter haben bis zum Stichtag Zeit, ihre Systeme und Prozesse anzupassen.
  • Das Gesetz schließt eine gefährliche Lücke
    Bislang galt das Kreditverbot nur für Kredite der Anbieter selbst. Spieler konnten problemlos mit Kreditkarten oder Drittanbieter-Darlehen weitermachen.
  • Kreditkarten werden technisch gesperrt
    Online-Anbieter müssen Kreditkartenzahlungen aktiv blockieren. Ein bloßer Hinweis reicht nicht – die technische Umsetzung ist Pflicht.
  • Schulden im Fokus
    Hintergrund ist die rasant wachsende Privatverschuldung in Schweden: Im Januar 2025 lagen die bei der Kronofogdemyndigheten registrierten Schulden auf einem Rekordhoch von 138 Milliarden Kronen.
  • Ausnahmen nur für gemeinnützige Lotterien
    Spelinspektionen kann unter strengen Auflagen Ausnahmen gewähren – etwa für Abonnement-Lotterien, bei denen Zahlung per Rechnung technisch unvermeidbar ist.
  • Internationale Signalwirkung
    Norwegen und Großbritannien gingen bereits voran. Experten erwarten, dass weitere europäische Märkte dem schwedischen Modell folgen werden.
Redakteur Simon
Redakteur
Redakteur Enrico
Geprüft durch
  • Enrico Kierakow
Veröffentlicht

25.02.2026

Aktualisiert

25.02.2026

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Jahrelange Lücke im Glücksspielrecht

Schweden hatte bereits ein Kreditverbot – auf dem Papier. Seit Einführung des Spielgesetzes 2018 war es Lizenzhaltern und Spielvermittlern verboten, eigene Kredite für Spieleinsätze anzubieten. Doch Spieler fanden schnell einen Weg: Kreditkarten, Privatkredite oder Ratenzahlungen über Drittanbieter ließen sich mühelos einsetzen, um Spielkonten aufzuladen. Der Gesetzgeber schaute jahrelang zu.

Die neue Regulierung verdeutlicht die Verantwortung von Lizenzhaltern und Spielvermittlern in Bezug auf kreditfinanziertes Spielen.

Jetzt zieht Stockholm die Schraube fest. Die Riksdag-Abstimmung macht aus einer löchrigen Regelung ein echtes Verbotsgesetz. Der Kern: Anbieter dürfen nicht mehr dulden oder daran mitwirken, dass Spieleinsätze über Kredite finanziert werden. Entscheidend ist die Formulierung – auch Duldung ist strafbar. Wer als Plattform weiß, dass ein Spieler Schulden macht, muss den Kauf aktiv verweigern.

Eingereicht wurde der Regierungsvorschlag bereits im September 2025 unter Premierminister Ulf Kristersson und Finanzstaatssekretär Niklas Wykman. Der Lagrådets – Schwedens oberstes Rechtsgutachtergremium – ließ ihn ohne Beanstandungen passieren.

Was Anbieter jetzt konkret umsetzen müssen

Die Anforderungen staffeln sich nach Vertriebskanal. Online-Wettanbieter trifft das Gesetz am direktesten: Kreditkarten sind als Zahlungsmethode zu sperren. Das schließt ausdrücklich E-Wallets ein, die intern auf Kreditkarten zurückgreifen – eine Konstellation, die viele Anbieter bisher stillschweigend tolerierten. Wer einen Link zu Kreditvermittlern führte oder Mobilfunkrechnungen als Zahlungsweg nutzte, muss umsteuern. Für den stationären Handel gelten pragmatischere Regeln. Ein Supermarkt, der nebenbei Lottoscheine verkauft, muss kein neues Kassensystem einbauen. Allerdings: Personal ist zu schulen, Kreditkartenzahlungen beim Spielkauf abzulehnen, sobald dies erkennbar ist. Pflicht ist außerdem ein sichtbarer Hinweis an der Kasse.

Wer ausschließlich Spielprodukte vertreibt oder ein separates Zahlungsterminal für den Spielverkauf betreibt – etwa Spielhallen oder Restaurantkasinos –, muss dieses Terminal technisch gegen Kreditkartentransaktionen sichern. Keine Ausreden mehr. Die Spelinspektionen überwacht die Einhaltung und kann Sanktionen verhängen.

Schulden durch Spielen – ein unterschätztes Volksproblem

Die Datenlage ist eindeutig. Rund drei bis vier Prozent der schwedischen Bevölkerung zwischen 16 und 84 Jahren kämpfen mit Spielproblemen – das geht aus der Folkhälsomyndighetens Erhebung „Hälsa på lika villkor“ hervor. Besonders betroffen: Automaten- und Kasinospieler, von denen laut Statistik etwa 40 Prozent ein problematisches Spielverhalten zeigen. Spielschulden können sich rasend schnell aufschaukeln. Kronofogdemyndigheten, die schwedische Vollstreckungsbehörde, stellte fest: 27 Prozent der Befragten mit spielbedingten Schulden gerieten innerhalb eines einzigen Jahres in die Schuldenfalle. Der Zusammenhang zwischen Spielproblemen und Überschuldung gilt als belegt – wer überschuldet ist, spielt häufiger riskant, wer riskant spielt, wird häufiger überschuldet.

Forschungsergebnisse zeigen zudem, dass Konsumenten mit Kreditkarten generell mehr ausgeben als mit Debitkarten oder Direktüberweisung. Der Grund liegt in der psychologischen Distanzierung: Wer erst nächsten Monat zahlt, spürt den Verlust heute weniger. Beim Glücksspiel, wo Kontrollverlust ohnehin zum Krankheitsbild gehört, wirkt dieser Effekt besonders destruktiv.

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