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40 Jahre Lotterien: 2,3 Milliarden für Österreichs Sport

  • Jubiläumsbilanz zum 40er
    Die Österreichischen Lotterien nahmen 1986 den Betrieb auf und legen zum runden Geburtstag eine Leistungsschau über Sport, Kultur und Prävention vor. Veröffentlicht wurde die Bilanz am 4. September 2026.
  • 2,3 Milliarden Euro in vier Jahrzehnten
    Über die im Glücksspielgesetz festgeschriebene Sportförderung landeten seit der Gründung mehr als 2,3 Milliarden Euro beim heimischen Sport. Profitiert haben Spitzenathlet:innen ebenso wie die Vereinsbasis.
  • 120 Millionen als jährliche Untergrenze
    Pro Jahr fließen mindestens 120 Millionen Euro aus der gesetzlichen Abgabe an Verbände und Vereine. Rund 15.000 Klubs hängen an diesem Geldstrom.
  • Sponsoring zusätzlich zur gesetzlichen Pflicht
    Neben der Abgabe pflegt das Unternehmen langjährige Partnerschaften: Premiumpartner beim Österreichischen Olympischen Comité und bei der Sporthilfe, Top+-Partner beim Paralympischen Committee. Auch Special Olympics Österreich steht auf der Liste.
  • win2day als zweite Sponsoring-Säule
    Die Online-Plattform mischt seit 2022 im Sportsponsoring mit und schloss allein 2025 mehr als 40 Partnerschaften ab. Nationalteams, Topligen und Großevents stehen im Fokus.
  • Equal Play zielt auf den Frauensport
    Die 2024 gestartete Initiative samt eigenem Aktionstag soll Frauen- und Inklusionssport aus dem medialen Schatten holen. Dahinter steckt die Rechnung, dass Sichtbarkeit Nachwuchs und Sponsorengelder nach sich zieht.
  • Spielerschutz mit Algorithmus und Zertifikat
    Der Health Check auf win2day bewertet Spielverhalten mithilfe künstlicher Intelligenz, das Frühwarntool Mentor läuft seit 2013. Geprüft wird das System unter anderem nach dem Responsible-Gaming-Framework der World Lottery Association auf Level 4.
Redakteur Simon
Redakteur
Redakteur Enrico
Geprüft durch
  • Enrico Kierakow
Veröffentlicht

07.09.2026

Aktualisiert

07.09.2026

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Ein Jubiläum, das in Milliarden rechnet

Vierzig Jahre nach dem Start zieht Österreichs Lotteriemonopolist eine Bilanz, die vor allem eines transportieren soll: gesellschaftlichen Nutzen. Seit 1986 sind laut Unternehmensangaben mehr als 2,3 Milliarden Euro über die gesetzliche Sportförderung an heimische Verbände und Vereine gegangen. Dazu kommen Sponsoringverträge, Kulturformate und ein Präventionsapparat, den die Gruppe regelmäßig extern durchleuchten lässt. Die Botschaft zum runden Geburtstag: Wer Glücksspiel anbietet, muss liefern, finanziell wie moralisch.

Generaldirektor Erwin van Lambaart rückt dabei den verbindenden Charakter des Sports in den Mittelpunkt:

Sport schafft Zusammenhalt, vermittelt Werte und bringt Menschen über alle Grenzen hinweg zusammen.

Einzuordnen sind die Zahlen mit dem nötigen Abstand: Sie stammen aus dem Unternehmen selbst, unabhängig geprüft ist die Sportförderung nur insoweit, als sie gesetzlich determiniert ist. Interessant bleibt die Größenordnung dennoch. Rechnerisch entfallen auf jedes der vier Jahrzehnte im Schnitt rund 575 Millionen Euro und das Fördervolumen wächst. Die heute garantierten 120 Millionen pro Jahr liegen mehr als doppelt so hoch wie der historische Durchschnittswert von etwa 57,5 Millionen.

Warum 15.000 Vereine an einer Abgabe hängen

Die Sportfinanzierung in Österreich ruht auf einem Fundament, das nicht jedes Jahr neu verhandelt werden muss. Das Glücksspielgesetz koppelt einen fixen Anteil an die Bundes-Sportförderung, wodurch Verbände und Vereine mit einer kalkulierbaren Größe rechnen können. Für die Praxis heißt das: Trainerverträge laufen über mehrere Saisonen, Nachwuchsprogramme brauchen keine Notbremse, wenn ein Sponsor abspringt. Planungssicherheit ist im Amateursport eine harte Währung.

Rund 15.000 Vereine im Land profitieren direkt oder indirekt von diesem Mechanismus. Das Geld fließt in Trainingsbedingungen, in Infrastruktur und in die Startberechtigungen für internationale Bewerbe. Ohne diese Basis gäbe es die Talentpipeline nicht, aus der später Olympiateilnehmer:innen hervorgehen. Der Zusammenhang zwischen Breitensport und Medaillen ist kein Marketingargument, sondern schlichte Arithmetik. Wer die Grundgesamtheit vergrößert, erhöht die Trefferquote an der Spitze.

Vorstandsdirektor Martin Škopek verweist sinngemäß darauf, dass gerade diese gesetzliche Verankerung Strukturen dauerhaft stabilisiere und dass das Sponsoring darüber hinaus gezielt in Nachwuchsarbeit und Innovation gehe. Aus Unternehmenssicht ist die Konstruktion durchaus komfortabel: Die Abgabe ist Pflicht, ihre Wirkung aber lässt sich kommunikativ als Beitrag zum Gemeinwohl verbuchen. Beides schließt einander nicht aus.

Über die Pflicht hinaus: Von Olympia bis Special Olympics

Der freiwillige Teil des Engagements läuft über ein Partnernetz, das die großen Institutionen des österreichischen Sports abdeckt. Beim Österreichischen Olympischen Comité und bei der Österreichischen Sporthilfe firmieren die Lotterien als Premiumpartner, beim Österreichischen Paralympischen Committee als Top+-Partner. Auch Special Olympics Österreich zählt zu den langjährigen Begünstigten. Damit deckt das Unternehmen den olympischen, den paralympischen und den inklusiven Wettkampfbetrieb gleichzeitig ab.

Neben den Dachverbänden setzt die Gruppe auf Eventformate. Die Sport Austria Finals bündeln Staatsmeisterschaften mehrerer Sportarten an einem Wochenende und schaffen so mediale Aufmerksamkeit für Disziplinen, die sonst durch das Raster fallen. Der Preis „Sportler:in mit Herz“ wiederum prämiert nicht Ergebnisse, sondern Haltung. Solche Formate kosten wenig im Vergleich zu Trikotsponsorings, erzeugen aber Reichweite in Zielgruppen, die klassische Bandenwerbung nicht erreicht.

Auffällig ist der programmatische Anspruch, Frauen- und Männersport sowie Breiten- und Spitzensport im Portfolio gleich zu gewichten. In einem Markt, in dem Sponsorbudgets traditionell dorthin wandern, wo die Einschaltquoten sind, ist das eine bewusste Umverteilung. Ob sie sich betriebswirtschaftlich rechnet, lässt sich von außen nicht beziffern, als Positionierung gegenüber Regulator und Öffentlichkeit funktioniert sie allemal.

Kultur, Soziales, Equal Play: Wo das Geld sonst noch landet

Jenseits der Stadien hat sich ein zweiter Schwerpunkt etabliert. Seit 2010 laufen die Lotterien Tage, bei denen ein Lotterieprodukt als Eintrittskarte gilt: mehr als 160 Mal wurde dieses Prinzip bereits umgesetzt, über 200.000 Besucher:innen kamen zusammen. Der Ansatz senkt die Zugangsschwelle zu Kulturhäusern und Freizeitangeboten und bindet Kunden an die eigenen Produkte. Zwei Ziele, ein Ticket.

Im Kulturbereich reicht die Liste vom Österreichischen Filmpreis über die Kabarett Talente Show bis zur Weltpremiere des Musicals „Maria Theresia“ der Vereinigten Bühnen Wien. Im Sozialbereich stehen der gemeinsam mit der Lebenshilfe ins Leben gerufene Inklusionspreis und die Unterstützung des Kinderhospiz Lichtblickhof. Der rote Faden durch alle Sparten: Teilhabe ermöglichen, wo sie sonst an Geld oder Barrieren scheitert.

Die jüngste Zuspitzung dieses Kurses trägt den Namen Equal Play. Die 2024 gestartete Initiative von win2day samt zugehörigem Aktionstag zielt auf die mediale Präsenz von Frauensport und Sport von Athleten mit Behinderung. Das dahinterliegende Argument ist ökonomisch und nicht bloß moralisch: Ohne Sichtbarkeit gibt es keine Sponsoren, ohne Sponsoren keine Professionalisierung, ohne Professionalisierung keinen Nachwuchs. Wer diese Kette an einer Stelle unterbricht, dreht die Abwärtsspirale weiter.

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