- Vier von fünf haben schon gespielt
81,8 Prozent der 16- bis 70-Jährigen setzten mindestens einmal im Leben Geld auf Lotto, Automat, Sportwette oder Roulette. Der jahrelange Rückgang bis 2019 ist damit endgültig gekippt. - 42 Prozent spielten im vergangenen Jahr
Die 12-Monats-Prävalenz liegt bei 42,0 Prozent und bewegt sich damit auf dem Niveau von 2024. Gegenüber dem Serientief von 37,3 Prozent in den Jahren 2015 und 2017 fehlen knapp fünf Punkte nach oben. - Problemquoten auf dem tiefsten Stand der Reihe
Nach der SOGS-Klassifikation zeigen 3,12 Prozent aller Befragten ein auffälliges, 0,40 Prozent ein problematisches und 0,25 Prozent ein wahrscheinlich pathologisches Spielverhalten. Für die ersten beiden Gruppen weist forsa einen statistisch signifikanten Abwärtstrend seit 2009 nach. - Beratungsangebote kennt kaum noch jemand
Nur 15,3 Prozent der Befragten wissen von einer Beratungsstelle, 6,7 Prozent von einem Beratungstelefon. Beide Werte sind die niedrigsten seit Beginn der Erhebung 2007. - Ein Prozent fühlt sich belastet
Unter den aktiven Spielenden berichten 1,0 Prozent von einer subjektiv empfundenen Belastung durch ihr Spiel. 2013 lag dieser Wert noch bei 4,3 Prozent. - Zwei Studien, zwei Größenordnungen
Der parallel erhobene Glücksspiel-Survey aus Bremen und Hamburg kommt auf 2,2 Prozent Menschen mit Glücksspielstörung – rund das Dreieinhalbfache der forsa-Werte. Unterschiedliche Messinstrumente und Befragungswege erklären den Abstand nur zum Teil. - Punktlandung im Evaluierungsjahr
Bis zum 31. Dezember 2026 müssen die Länder den Glücksspielstaatsvertrag umfassend überprüfen. Die frischen Zahlen liefern der Automatenwirtschaft Argumente für genau diese Debatte.
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00:00 / 00:00Die Kurve dreht: Deutschland zockt wieder mehr
Zehn Jahre lang ging es nach unten. Von 87,1 Prozent im Jahr 2009 rutschte der Anteil derjenigen, die je an Glücksspiel teilgenommen haben, bis 2019 auf 75,3 Prozent. Dann kam die Wende. 2024 stand die Lebenszeitprävalenz wieder bei 80,0 Prozent, aktuell bei 81,8 Prozent – ein Zuwachs von 6,5 Prozentpunkten innerhalb von sieben Jahren. Bei der Teilnahme innerhalb der letzten zwölf Monate zeigt sich dasselbe Muster: 37,7 Prozent (2019), 42,9 Prozent (2024), jetzt 42,0 Prozent. Der Unterschied zur Vorerhebung liegt laut einer neuen Studie im Bereich der Zufallsschwankung.
Bemerkenswert ist, was die Suchtindikatoren in derselben Erhebung machen: Sie laufen in die Gegenrichtung. Nach der Klassifikation des South Oaks Gambling Screen gelten 96,23 Prozent der Befragten als unproblematisch. 3,12 Prozent zeigen auffälliges Verhalten, 0,40 Prozent ein problematisches, 0,25 Prozent ein wahrscheinlich pathologisches. 2009 lagen die entsprechenden Werte noch bei 5,82 und 0,64 Prozent. Für die Kategorie mit der klinisch höchsten Schwere findet forsa über den gesamten Zeitraum dagegen keinen belastbaren Trend.
So beschreibt die Studie die Entwicklung des wahrscheinlich pathologischen Spielens seit 2009. Die Schwankungen zwischen den Erhebungswellen bleiben statistisch stumm. Wer die Zahl 96,23 Prozent zitiert, sollte allerdings die Bezugsgröße mitliefern: Sie enthält alle Nichtspielenden. Rechnet man nur diejenigen, die tatsächlich gespielt haben, ändert sich das Bild spürbar. Dann gelten 91,01 Prozent als unproblematisch, 7,42 Prozent als auffällig, und rund 1,6 Prozent fallen in die Kategorien problematisch oder wahrscheinlich pathologisch. Anders gesagt: Etwa jede dreizehnte spielende Person zeigt mindestens riskante Muster.
Der Rebound kommt von den Älteren, nicht von TikTok
Die öffentliche Debatte kreist vor allem um junge Männer, Sportwetten-Werbung und Casino-Apps. Die Altersaufschlüsselung des Surveys zeichnet aber ein anderes Bild. Den kräftigsten Sprung seit 2019 legen überraschenderweise die 56- bis 70-Jährigen hin: Ihre Lebenszeitprävalenz kletterte von 77,6 auf 88,0 Prozent, ein Plus von 10,4 Punkten. Bei den 36- bis 45-Jährigen sind es 9,0 Punkte, bei den 46- bis 55-Jährigen 6,6. Die unter 25-Jährigen dagegen treten auf der Stelle. 18- bis 20-Jährige kommen auf 49,5 Prozent, die 21- bis 25-Jährigen auf 61,3 Prozent – beides praktisch unverändert gegenüber 2024 und weit entfernt von den Werten der Nullerjahre.

Über den gesamten Beobachtungszeitraum ist der Rückgang bei den Jungen sogar der markanteste Befund der ganzen Studie. 2007 hatten 74,8 Prozent der 18- bis 20-Jährigen schon einmal gespielt, heute rund die Hälfte. Bei den 16- bis 17-Jährigen halbierte sich der Wert von 60,7 auf 41,0 Prozent. forsa markiert diese Entwicklungen als statistisch signifikante Trends. Ob das den Jugendschutz adelt oder eine Schwäche der Methode offenlegt, bleibt offen: Eine Telefonstichprobe erreicht ausgerechnet jene Gruppe schwer, die ihr Glücksspiel vollständig aufs Smartphone verlagert hat.
Unter 25-Jährige spielen seltener als Ältere. Männer über alle Altersgruppen signifikant höher. Gegenüber 2024 keine signifikante Veränderung.
Der Geschlechterabstand bleibt eine Konstante mit erstaunlicher Wucht. Über alle Altersgruppen hinweg liegt die 12-Monats-Prävalenz bei Männern signifikant höher als bei Frauen, 47,4 gegenüber 36,5 Prozent. In den jungen Jahrgängen klafft die Lücke am weitesten: Bei den 18- bis 20-Jährigen spielten 39,5 Prozent der Männer, aber nur 12,7 Prozent der Frauen – Faktor drei. Den Spitzenwert der gesamten Erhebung halten übrigens die Männer zwischen 46 und 55: 94,8 Prozent von ihnen haben schon einmal gespielt.
Die Zahl, die keine Pressemitteilung schmückt
Ein Befund passt jedoch nicht in die Erfolgsgeschichte und er steht ziemlich weit hinten. Das Wissen über Hilfsangebote bricht ein. 15,3 Prozent der Befragten wissen 2026 von einer Beratungsstelle für Glücksspielprobleme. 2015 waren es 25,9 Prozent. Das ist ein Minus von zehneinhalb Punkten oder gut 40 Prozent des Ausgangswerts. Beim Beratungstelefon verläuft die Entwicklung parallel: von 11,1 Prozent (2011) auf 6,7 Prozent. Beide Kurven markieren damit aktuell Allzeittiefs.
Der Absturz vollzog sich in zwei Etappen. Zwischen 2017 und 2019 fiel die Bekanntheit der Beratungsstellen von 24,7 auf 19,3 Prozent. Danach ging es weiter bergab – 18,6 Prozent (2024), 15,3 Prozent (2026). Die zweite Phase liegt vollständig in der Geltungszeit des Glücksspielstaatsvertrags 2021, der Anbieter zu Suchthinweisen in der Werbung verpflichtet und mit OASIS ein bundesweites Sperrsystem etabliert hat. Ein Kausalzusammenhang lässt sich daraus nicht ableiten. Ein Wirkungsnachweis aber auch nicht.

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