- Merkur meldet sich offiziell
Die deutsche Merkur-Gruppe (ehemals Gauselmann) bestätigt erstmals öffentlich ihr Interesse an österreichischen Casino-Lizenzen. Die Bewerbung soll solo erfolgen, ohne Partner. - Ausschreibung erwartet im Herbst 2026
Das konkrete Verfahren ist noch unbekannt, Merkur rechnet aber spätestens im Herbst mit dem Startschuss. Die Vorbereitung läuft bereits auf Hochtouren. - Bis zu 15 Lizenzen im Visier
Grundsätzlich interessiert sich Merkur für sämtliche Casino-Lizenzen in Österreich. Das entspricht 12 bis 15 Standorten, darunter mehrere mögliche Wien-Standorte. - 50 Millionen Euro verbrannt und trotzdem zurück
Beim letzten Anlauf vor über zehn Jahren verlor Gauselmann rund 50 Millionen Euro. Das Kapitel gilt als abgeschlossen, der Blick geht nach vorne. - Gästezahlen verzehnfacht – Erfolgsbilanz aus Deutschland
In Sachsen-Anhalt hat Merkur die Besucherzahlen seit dem Einstieg 2014 fast verzehnfacht. In Nordrhein-Westfalen sollen Umsätze und Stimmung nach der Übernahme staatlicher Casinos deutlich gestiegen sein. - Spielerschutz als Wettbewerbsvorteil
Merkur setzt auf externe Zertifizierung und eine international besetzte Spielerschutzkommission. Gefährdete Spieler sollen früh erkannt werden, laut eigener Aussage konsequenter als bei Mitbewerbern. - Casino neu gedacht, weg vom 80er-Jahre-Konzept
Unterhaltungsformate, modernere Spielbereiche und stärkerer Service sollen den Casinobesuch wieder zum Erlebnis machen. Vor allem Wien sieht Merkur als Testfeld für neue Konzepte.
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00:00 / 00:00Merkur macht Ernst: Klares Bekenntnis zum österreichischen Markt
Nach Jahren des Spekulierens ist es nun offiziell: Die Merkur-Gruppe, Deutschlands größter privater Glücksspielkonzern, will sich um die österreichischen Casino-Lizenzen bewerben. Das bestätigten die Merkur-Manager David Schnabel und Max Rösle in einem Exklusivinterview mit dem Wirtschaftsmagazin trend. Die Botschaft ist eindeutig.
Wir wollen uns bewerben. Wir sind vorbereitet und würden unseren Hut gerne in den Ring werfen.
Anders als beim gescheiterten Versuch vor mehr als zehn Jahren tritt Merkur diesmal ohne Partner an. Damals war das Stadtcasino Baden an Bord. Heute, so die interne Logik, reicht die eigene Kompetenz. Seit 2014 hat die Gruppe 25 Spielbanken in Deutschland aufgebaut, dazu kommen zwei in Großbritannien und vier auf Kreuzfahrtschiffen. Das Spielbankengeschäft trägt inzwischen rund ein Drittel zum Gesamtumsatz von zwei Milliarden Euro bei. Die Bewerbung soll für alle verfügbaren Lizenzen gelten. Ob die Vergabe einzeln oder in Paketen erfolgt, ist noch offen. Merkur bereitet sich auf beide Szenarien vor, präferiert aber eine standortweise Ausschreibung. Das gäbe Bewerbern die Möglichkeit, für jedes Haus ein maßgeschneidertes Konzept vorzulegen.
Der Rucksack: 50 Millionen Euro und eine alte Rechnung
Wer über Merkur und Österreich spricht, kommt an der Geschichte nicht vorbei. Die damalige Gauselmann Gruppe investierte vor über einem Jahrzehnt massiv in eine Bewerbung um Casino-Lizenzen, und ging leer aus. Rund 50 Millionen Euro flossen in ein Projekt, das am Ende scheiterte. Klagen gegen den Staat wurden erwogen, letztlich aber nicht eingereicht.
Schnabel spricht heute ohne Verbitterung darüber. Das Verfahren habe sich über viele Jahre gezogen, die Gruppe habe damit abgeschlossen. Was bleibt, ist die Erwartung an ein anderes Prozedere: ein europaweites Verfahren, klare Bewertungskriterien, gleiche Bedingungen für alle Teilnehmer. Dass die Republik selbst an der Casinos Austria (Casag) beteiligt ist, kommentiert Merkur diplomatisch. Man wolle schlicht nach denselben Maßstäben bewertet werden wie jeder andere Bewerber. Bemerkenswert ist, dass Merkur den politischen Kanal bewusst meidet. Kontakte zu Politikern habe es keine gegeben, betont Schnabel. Man vertraue auf die Kraft der eigenen Bewerbung.

Was Merkur mitbringt: Operative Erfahrung statt Theorie
Die Zahlen sprechen für sich. In Sachsen-Anhalt, wo Merkur 2014 ins Casinogeschäft einstieg, hat sich die Besucherzahl nahezu verzehnfacht. In Nordrhein-Westfalen übernahm die Gruppe ehemals staatlich geführte Häuser, mit messbarem Ergebnis bei Umsatz und Belegschaftsstimmung. Jüngst kamen zehn Standorte in Niedersachsen hinzu, die Casag zuvor betrieben hatte.
Das Erfolgsrezept klingt simpel, erfordert aber operative Disziplin: modernisiertes Spielangebot, automatisierte Management-Systeme und dadurch mehr Personalkapazität für den Gästeservice. Merkur-Manager Max Rösle beschreibt das Ziel so: Den Casinobesuch wieder zu etwas machen, worauf man sich freut. Viele Betreiber führten ihre Häuser noch so wie in den 1980er-Jahren – das sei nicht mehr das, was Gäste erwarteten. Für Österreich denkt Merkur an Showformate, flexibel planbar und standortabhängig. Eine fest installierte Bühne in jedem Haus brauche es nicht. Entscheidend sei, dass Raum, Service und Programm harmonieren. Wien sieht die Gruppe dabei als Schlüsselstandort, mit Potenzial für gleich zwei Casinobetriebe.
Wechsel in Lizenzverhältnissen wecken bei Beschäftigten regelmäßig Unsicherheit. Merkur versucht hier Vertrauen aufzubauen: In Niedersachsen wurden sämtliche Teams der ehemaligen Casag-Standorte übernommen, zusätzlich wurden neue Stellen geschaffen. Das gleiche Muster soll in Österreich gelten. Rösle betont, dass für das angestrebte Angebotsformat qualifiziertes Personal unverzichtbar sei, sowohl an den Spieltischen als auch im Service. Wachstum lasse sich nicht mit Kürzungen erzwingen. Ob die Häuser künftig unter der Marke „Merkur Casinos“ oder weiter als „Casinos Austria“ firmieren würden, lasse man bewusst offen. Letzteres sei „zweifellos eine starke Marke“, räumt Schnabel ein.

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