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EU plant Sonderabgabe auf Online-Glücksspiel

  • Gesamtpaket bis zu 11 Milliarden Euro pro Jahr
    Die EU-Kommission hat berechnet, dass ein Bündel neuer Steuern auf digitale Dienste, Online-Glücksspiel und Krypto-Assets jährlich fast 11 Milliarden Euro in den Gemeinschaftshaushalt spülen könnte.
  • Online-Glücksspiel-Abgabe: 1,9 Milliarden pro Jahr
    Eine Umsatzsteuer von 3 Prozent auf Online-Wettanbieter brächte über den nächsten Sieben-Jahres-Haushalt rund 13,3 Milliarden Euro – weniger als halb so viel wie ursprünglich kalkuliert.
  • Digitalsteuer trifft vor allem US-Konzerne
    Für eine 3-prozentige Abgabe auf Werbeumsätze, Datenvermittlung und Nutzerdaten-Monetarisierung großer Tech-Plattformen veranschlagt Brüssel gut 5 Milliarden Euro jährlich.
  • Krypto-Transaktionen im Visier
    Entweder eine Transaktionssteuer von 0,1 Prozent (Schätzung: 3–4 Milliarden Euro/Jahr) oder eine Kapitalertragsteuer (1–2,4 Milliarden) soll das volatile Krypto-Segment anzapfen.
  • Verhandlungsrahmen: EU-Haushalt 2028–2034
    Alle Vorschläge fließen in die laufenden Verhandlungen über den rund 2 Billionen Euro schweren Langzeithaushalt ein, der auch die Rückzahlung der Corona-Gemeinschaftsschulden abdeckt.
  • Einstimmigkeit bleibt die Hürde
    Jede neue EU-Eigenmittelquelle braucht das Ja aller 27 Mitgliedstaaten, ein Quorum, das bislang fast jede Steuerreform blockiert hat.
  • Malta als Vetoplayer
    Das Inselland, Heimathafen der meisten europäischen Wettanbieter, dürfte die Glücksspielabgabe am lautstärksten bekämpfen.
Redakteur Simon
Redakteur
Redakteur Enrico
Geprüft durch
  • Enrico Kierakow
Veröffentlicht

03.06.2026

Aktualisiert

03.06.2026

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Brüssels Geldsuche: Warum jetzt neue Steuern?

Die EU-Kommission sitzt in der Klemme. Das ursprüngliche Finanzierungskonzept für den Haushalt 2028–2034, vorgestellt im Juli 2025, sah eine Reihe neuer Eigeneinnahmen vor, von der Unternehmenssteuer bis zur Plastikabgabe. Doch im Ministerrat scheiterte ein Vorschlag nach dem anderen. Einzig die Kohlenstoffgrenzabgabe (CBAM) fand die nötige Mehrheit.

Jetzt wechselt Brüssel den Anlauf. Auf Betreiben mehrerer Staats- und Regierungschefs, die beim informellen EU-Gipfel auf Zypern im April drängten, prüfte die Kommission drei neue Steuermodelle: eine Glücksspielabgabe, eine Digitalsteuer und eine Krypto-Levy. Das Ergebnis dieser Analyse teilte sie Ende Mai den Hauptstädten und dem Europaparlament mit – und lieferte damit Zahlen, die die Haushaltsdebatte neu befeuern. Haushaltkommissar Piotr Serafin brachte die Lage dieser Tage auf den Punkt: Ohne Einigung bei den Eigenmitteln werde ein ambitioniertes Budget schlicht nicht möglich sein. Die Botschaft ist klar: Wer mehr Geld ausgeben will, muss auch mehr einnehmen.

Die Glücksspielabgabe: Beliebt, aber umkämpft

Da Glücksspiel auf EU-Ebene nicht harmonisiert ist, gibt es keine rechtliche Grundlage, eine solche Abgabe zu definieren, zu verwalten oder einzutreiben.

So Maarten Haijer, Generalsekretär der EGBA. Von den drei neuen Steuermodellen hat die Glücksspielabgabe bislang den breitesten Rückhalt unter den Mitgliedstaaten gefunden. Eine Umsatzabgabe von 3 Prozent auf Online-Wettanbieter würde – hochgerechnet – jährlich gut 1,9 Milliarden Euro generieren, über sieben Jahre also 13,3 Milliarden. Damit bliebe das Aufkommen allerdings weit hinter der ursprünglichen Prognose zurück: Der rumänische EU-Abgeordnete Victor Negrescu, der den Vorschlag im Februar ins Parlament eingebracht hatte, hatte noch von 28 Milliarden Euro gesprochen.

Der Branchen-Dachverband EGBA konterte sofort. Die Abgabe sei „grundlegend nicht umsetzbar“, da harmonisierte Definitionen für Glücksspiel in der EU fehlen. Außerdem warnte der Verband, dass zusätzliche Belastungen – in einigen Märkten liegt die Gesamtsteuerlast bereits über 50 Prozent des Bruttospielertrags – Spieler geradewegs in die Arme illegaler Plattformen treiben würden. Dennoch schreitet die Diskussion voran. Zypern, das noch bis Jahresende den Ratsvorsitz hält, will um den 10. Juni einen überarbeiteten Budgetentwurf mit angepassten Zahlen vorlegen. Bis dahin wird sich zeigen, wie belastbar die politische Unterstützung wirklich ist, und wie laut Maltas Widerstand ausfällt.

Die Digitalsteuer: Milliarden ja, aber Handelskrieg-Risiko nein

Für eine Abgabe auf große Plattformkonzerne stützte sich die Kommission auf bestehende Modelle aus Frankreich, Spanien und Italien. Alle drei erheben bereits nationale Digitalsteuern, die als Blaupause für eine EU-weite Lösung dienen sollen. Das Kalkül: 3 Prozent auf Erlöse aus Online-Werbung, Datenvermittlung und ähnlichen Diensten, begrenzt auf Firmen mit einem weltweiten Jahresumsatz über 750 Millionen Euro.

Das Ergebnis wäre beachtlich: rund 5 Milliarden Euro pro Jahr. Das Problem ist offensichtlich. Die Steuer träfe in erster Linie amerikanische Technologiekonzerne wie Google oder Amazon. In einer Zeit angespannter Handelsbeziehungen mit Washington fürchten mehrere EU-Regierungen Gegenschläge. Gleichzeitig überschneidet sich der Kreis betroffener Unternehmen mit dem der bereits gescheiterten Unternehmenssteuer (CORE), was die politischen Fronten von vornherein einzementiert. Brüssel steht vor der Wahl: Milliarden auf dem Papier oder Stabilität in den Transatlantik-Beziehungen.

Krypto: Hohe Erwartungen, unsichere Datenlage

Das dritte Modell wirft die größten methodischen Fragen auf. Die Kommission selbst räumt ein, dass die Erlösprojektionen für Kryptosteuern mit erheblicher Unsicherheit behaftet sind. Zwei Varianten stehen zur Debatte: eine Transaktionssteuer von 0,1 Prozent auf das gehandelte Volumen oder eine Kapitalertragsteuer, die bestehende nationale Regelungen ergänzen oder ersetzen würde.

Für die Transaktionsvariante ergibt die Schätzung, basierend auf 2025er Marktdaten und einer groben Annäherung an die Zahl europäischer Konten, ein jährliches Aufkommen zwischen 3 und 4 Milliarden Euro. Die Kapitalertragsteuer fällt konservativer aus: 1 bis 2,4 Milliarden Euro, gestützt auf Daten aus einem Bericht von 2022. Beide Projektionen leiden unter demselben Grundproblem: Kryptomärkte sind volatil, die geografische Zuordnung von Nutzern ist technisch komplex, und belastbare EU-weite Daten zur Nutzungsintensität fehlen. Dass diese Schätzungen politisch tragfähig sind, bezweifeln auch Kommissionskreise intern.

Zeitplan unter Druck: Was bis Jahresende entschieden werden muss

Die Verhandlungsparteien haben wenig Spielraum. Ein erster Gesamtkompromisstext soll noch vor der Jahresmitte vorliegen, ein Deal bis Ende 2026 geschlossen sein, wobei mehrere Hauptstädte eine Verschiebung nicht ausschließen.

Frankreich hat dabei unmissverständlich signalisiert: Ohne substanzielle neue Eigenmittel kein Ja zum Budget. Diese Haltung gibt den Steuervorschlägen politisches Gewicht, macht aber auch den Druck auf jene Länder spürbar, die Steuerharmonisierung grundsätzlich ablehnen. Der Haushalt selbst ist auf knapp 2 Billionen Euro angelegt, inklusive der Rückzahlung der Corona-Gemeinschaftsschulden aus dem Next-Generation-EU-Programm. Hinzu kommen drei neue Investitionsschwerpunkte: der Wettbewerbsfähigkeitsfonds, der Global-Europe-Fonds und das Horizon-Programm für Forschung und Innovation. Wer diesen Anspruch finanzieren will, kommt an neuen Einnahmequellen kaum vorbei.

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