- Spanien verhängt Zugangssperren gegen Polymarket und Kalshi
Das spanische Verbraucherministerium hat Sanktionsverfahren gegen beide US-Plattformen eingeleitet und als Sofortmaßnahme deren Websites blockiert. Große Internetprovider sollen die DNS-Sperren innerhalb von 7 bis 10 Tagen umsetzen. - Vorwurf: Betrieb ohne Glücksspiellizenz
Die zuständige Glücksspielaufsicht DGOJ stuft Prediction Markets als Glücksspiel ein, sobald auf ungewisse Ereignisse gewettet wird und fordert dafür eine nationale Genehmigung, die beide Plattformen nicht besitzen. - Verfahren läuft drei bis vier Monate
Bis zur endgültigen Entscheidung bleibt der Zugang gesperrt. Wer die Seiten aufruft, sieht künftig eine behördliche Warnung über „unlizenziertes Glücksspiel“. - Spanien reiht sich in eine lange Liste ein
Frankreich, Belgien, die Niederlande, Rumänien, Portugal, Indonesien, Argentinien und Brasilien haben Polymarket bereits gesperrt oder mit Sanktionen belegt. Der globale Regulierungsdruck wächst rasant. - Milliarden-Industrie unter Beschuss
Polymarket strebt einer Bewertung von 15 Milliarden Dollar entgegen; Kalshi schloss im Mai 2026 eine Series-F-Runde zu 22 Milliarden Dollar ab. Das monatliche Handelsvolumen beider Plattformen zusammen überstieg zuletzt 18 Milliarden Dollar. - USA fahren Gegenkurs
Während Europa die Daumenschrauben anzieht, beansprucht die US-Derivatenaufsicht CFTC per Gerichtsbeschluss die alleinige Bundeskompetenz und schützt die Plattformen aktiv vor staatlichen Eingriffen. - Insider-Skandale befeuern die Debatte
Ein US-Soldat soll auf Polymarket mehr als 400.000 Dollar mit vertraulichem Wissen über eine Venezuela-Mission verdient haben. Der US-Kongress ermittelt jetzt gegen beide Unternehmen.
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00:00 / 00:00Madrids Behörden ziehen die Reißleine
Die Entscheidung fiel denkbar klar: Spaniens Ministerium für Soziale Rechte, Verbraucherschutz und Agenda 2030 eröffnete am 26. Mai 2026 Sanktionsverfahren gegen Polymarket und Kalshi. Die Glücksspielregulierungsbehörde DGOJ veröffentlichte die entsprechenden Bescheide im amtlichen Staatsanzeiger Boletín Oficial del Estado, nachdem direkte Zustellversuche an die US-Firmenadressen ins Leere gelaufen waren. Gleichzeitig ordnete das Ministerium eine vorläufige Sperre beider Websites an, die als Schutzmaßnahme gilt, bis das Verfahren rechtskräftig abgeschlossen ist. In einem offiziellen Statement heißt es:
In Spanien gelten Prediction Markets als Glücksspiel, sobald auf ungewisse künftige Ereignisse gewettet wird. Wer sie in Spanien betreibt, braucht dafür zwingend eine behördliche Zulassung.
Die Behörde beanstandet dabei nicht nur das fehlende Lizenz-Dokument. Laut DGOJ mangelt es den Plattformen auch an Minderjährigenschutz, Nutzerverifizierung und Mechanismen zur Selbstsperre für gefährdete Spieler; allesamt Pflichtbestandteile des spanischen Glücksspielrechts. Provider erhalten die technischen Anweisungen zur DNS-Sperrung; wer dennoch versucht, die Seiten zu erreichen, landet auf einer Regierungsseite mit entsprechendem Hinweis.
Politisch brisant: Kurz vor der Sperrung tauchten auf Kalshi Wetten auf ein frühes Amtsende von Ministerpräsident Pedro Sánchez auf, mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von 29 Prozent. Die Timing-Koinzidenz dürfte den Druck auf die Aufsicht erhöht haben.
Europa zieht an einem Strang, ohne gemeinsames Regelwerk
Spanien ist keine Ausnahme, sondern Teil einer koordinierten europäischen Bewegung gegen Prediction-Market-Plattformen. Das Muster ist überall ähnlich: Behörden klassifizieren die Dienste als Glücksspiel, verlangen nationale Lizenzen und verhängen Sperren, wenn die Anbieter nicht reagieren. Einheitliches EU-Recht existiert dafür bislang nicht. Jedes Mitgliedsland schlägt seinen eigenen Weg ein.
Die Niederlande machten im Februar 2026 Ernst und drohten Polymarket Strafzahlungen von bis zu 420.000 Euro pro Woche an, bei einem Höchstbetrag von 840.000 Euro. Portugal reagierte schon im Januar nach einem Ansturm auf Wetten zur Präsidentschaftswahl und zwar innerhalb von 48 Stunden nach Schließung der Wahllokale. Brasilien wischte im April 2026 gleich knapp 30 Plattformen gleichzeitig vom Markt, darunter beide amerikanischen Schwergewichte. Was fehlt, ist ein harmonisierter europäischer Rahmen. Solange der ausbleibt, agiert jede Aufsichtsbehörde für sich, was Plattformen wie Polymarket und Kalshi zwingt, mit einem Flickenteppich aus nationalen Verboten umzugehen. Für die Unternehmen ist das teuer, aufwendig und letztlich schwer skalierbar.

Milliarden-Bewertungen treffen auf Regulierungsrealität
Die Zahlen klingen nach Goldrausch: Polymarket soll laut Insidern eine Bewertung von 15 Milliarden Dollar anstreben. Kalshi schloss Anfang Mai 2026 eine Finanzierungsrunde über eine Milliarde Dollar ab, zu einer Unternehmensbewertung von 22 Milliarden Dollar. Das kumulierte monatliche Handelsvolumen beider Dienste übertrifft 18 Milliarden Dollar.
Zum Vergleich: Noch vor 2024 verzeichnete Polymarket weniger als 1.000 neue Nutzer pro Monat, das Handelsvolumen kratzte an der Millionen-Grenze. Dann kam die US-Präsidentschaftswahl. Im November 2024 strömten plötzlich 100.000 Menschen neu auf die Plattform, das Volumen übersprang die Milliarden-Marke. Kalshi steigerte seinen wöchentlichen Umsatz dreißigfach – von 100 Millionen auf 3 Milliarden Dollar innerhalb eines Jahres. Doch das Wachstum hat eine Schattenseite: Es zieht Regulatoren an wie Licht die Motten. Was als nischiges Finanz-Experiment begann, ist mittlerweile groß genug, um echten politischen Druck zu erzeugen. Und Druck erzeugt Gegendruck, in Form von Sanktionsverfahren, DNS-Sperren und parlamentarischen Untersuchungen.
Insider-Trading-Vorwürfe heizen die Debatte an
Der Ruf der Branche leidet. Mehrere Vorfälle haben das öffentliche Vertrauen in Prediction Markets schwer beschädigt und Regulierern willkommene Argumente geliefert. Der gravierendste Fall: Ein US-Soldat namens Gannon Ken Van Dyke soll auf Polymarket Wetten auf eine US-Militäroperation in Venezuela platziert haben, an deren Planung er selbst beteiligt war. Der Gewinn: über 400.000 Dollar aus vertraulichem Insiderwissen.
Ähnliche Muster tauchten rund um den US-israelischen Militäreinsatz im Iran auf: Mehrere Wallets sollen koordiniert Positionen aufgebaut und dabei knapp 2,4 Millionen Dollar verdient haben, kurz bevor die Ereignisse öffentlich bekannt wurden. Ob und wie die Plattformen solche Manipulationen erkennen oder verhindern können, bleibt offen. Im US-Kongress reicht das Unbehagen mittlerweile über Parteilinien hinaus. Der Haushaltsausschuss leitete Untersuchungen gegen Polymarket und Kalshi ein; ein Abgeordneter erklärte öffentlich, gesetzgeberischer Handlungsbedarf sei absehbar. Minnesota verabschiedete bereits ein Verbot, woraufhin die Trump-Administration mit einer Klage antwortete, um das Gesetz zu kippen.

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