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Tennessee stoppt Prognosemärkte

  • Unterlassungsverfügung gegen drei Plattformen
    Tennessee hat am 9. Januar 2026 Kalshi, Polymarket und Crypto.com offiziell angewiesen, alle sportbezogenen Verträge für Einwohner des Bundesstaates einzustellen. Die Plattformen müssen bis zum 31. Januar alle Kundengelder zurückerstatten und bestehende Verträge für ungültig erklären.
  • Vorwurf: Illegale Sportwetten ohne Lizenz
    Die Behörden argumentieren, dass die angebotenen Eventverträge rechtlich als Sportwetten gelten und daher eine staatliche Lizenz erfordern. Keine der drei Plattformen verfügt über eine solche Genehmigung in Tennessee.
  • Drakonische Strafen angekündigt
    Bei Nichtbeachtung drohen Geldstrafen von bis zu 25.000 US-Dollar pro Verstoß sowie strafrechtliche Konsequenzen. Die Förderung von illegalem Glücksspiel gilt in Tennessee als Verbrechen.
  • CFTC-Registrierung bietet keinen Schutz
    Obwohl alle drei Plattformen bei der US-Bundesbehörde CFTC als regulierte Derivatebörsen registriert sind, erkennt Tennessee diese Zulassung nicht als Befreiung von staatlichen Glücksspielgesetzen an.
  • Tennessee ist nicht allein
    Mindestens zehn weitere US-Bundesstaaten haben bereits ähnliche Maßnahmen gegen Prognoseplattformen ergriffen. Nevada, Arizona, Maryland und weitere Staaten gehen rechtlich gegen die Branche vor.
  • Erste Verfügung gegen Polymarket
    Die Tennessee-Anordnung ist die erste öffentlich bekannte Unterlassungsverfügung auf Bundesstaatsebene, die sich speziell gegen Polymarket richtet. Die Plattform war erst kürzlich nach einer 112-Millionen-Dollar-Übernahme in den US-Markt zurückgekehrt.
  • Grundsatzkonflikt zwischen Bund und Staaten
    Der Fall wirft fundamentale Fragen zur Abgrenzung zwischen Bundesrecht und staatlicher Regulierungshoheit auf. Ein Urteil des Obersten Gerichtshofs könnte letztlich erforderlich werden.
Redakteur Simon
Redakteur
Redakteur Enrico
Geprüft durch
  • Enrico Kierakow
Veröffentlicht

12.01.2026

Aktualisiert

12.01.2026

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Behörden sehen öffentliches Interesse gefährdet

Die Tennessee Sports Wagering Council agierte entschlossen gegen die drei Prognosemarkt-Betreiber. In den Unterlassungsschreiben vom 9. Januar machte Geschäftsführerin Mary Beth Thomas unmissverständlich klar, welche Position der Bundesstaat vertritt und äußerte sich wie folgt:

Die auf der Börse angebotenen Sportveranstaltungsverträge entsprechen nicht den Verbraucherschutzbestimmungen von Tennessee und stellen eine unmittelbare und erhebliche Bedrohung für das öffentliche Interesse dar.

Thomas‘ Behörde argumentiert, dass die technische Bezeichnung als „Eventverträge“ oder „Derivate“ nichts an der rechtlichen Realität ändere. Wer Geld auf Sportereignisse setzen könne, betreibe faktisch Sportwetten – unabhängig davon, welchen Namen Unternehmen ihren Produkten geben. Der Sports Gaming Act des Bundesstaates schreibt unmissverständlich vor, dass jede Organisation, die Wetten auf sportliche Ereignisse annimmt, eine staatliche Sportwetten-Lizenz benötigt.

Die Aufsichtsbehörde kritisierte zudem, dass die Plattformen grundlegende Schutzstandards nicht erfüllen. Dazu zählen Altersverifizierung, Maßnahmen gegen Geldwäsche und Protokolle für verantwortungsvolles Spielen. Tennessee sieht durch die unregulierten Anbieter auch seine Steuereinnahmen aus dem lizenzierten Sportwettengeschäft bedroht – allein im Juli 2025 wurden über 305 Millionen Dollar umgesetzt.

Plattformen berufen sich auf Bundesrecht

Die betroffenen Unternehmen weisen die Vorwürfe zurück und verweisen auf ihre Regulierung durch die Commodity Futures Trading Commission. Als bei der CFTC registrierte Kontraktmärkte dürfen sie nach eigener Auffassung ereignisbasierte Derivate landesweit anbieten, ohne sich um einzelstaatliche Glücksspielbestimmungen kümmern zu müssen. Kalshi-Sprecher Jack Such verteidigte die Position seines Unternehmens öffentlich. Das Angebot unterscheide sich fundamental von dem, was staatlich regulierte Sportwettenanbieter und Casinos ihren Kunden bieten. Die Plattformen operieren demnach gemäß dem Commodity Exchange Act als bundesweit regulierte Börsen – nicht als Glücksspielseiten. Dieser rechtliche Unterschied sei entscheidend.

Die juristische Auseinandersetzung zwischen Bundesrecht und Staatsrecht hat in verschiedenen Gerichtsbezirken zu unterschiedlichen Ergebnissen geführt. Ein Bundesgericht in Nevada urteilte im November, dass Sportverträge als Glücksspiel einzustufen seien. In Connecticut hingegen gewährte ein Richter Kalshi vorläufigen Schutz vor der dortigen Unterlassungsverfügung, bis die mündliche Verhandlung im Februar stattfindet.

Lawine rechtlicher Konflikte rollt durchs Land

Tennessee reiht sich in eine wachsende Liste von Bundesstaaten ein, die gegen Prognosemärkte vorgehen. Nevada, Arizona, Illinois, Maryland, New Jersey, Montana und Ohio haben bereits Unterlassungsverfügungen gegen Kalshi erlassen. Connecticut ordnete im Dezember 2025 ähnliche Maßnahmen gegen Robinhood, Kalshi und Crypto.com an. Die Ho-Chunk Nation in Wisconsin beschritt einen anderen Rechtsweg und verklagte Kalshi sowie Robinhood im August wegen angeblicher Verletzung von Bundesglücksspielgesetzen und der Souveränität indigener Nationen. Die Stammesnation argumentiert, dass die Plattformen in ihre vertraglich gesicherten Glücksspielrechte eingreifen.

Staatsanwälte koordinieren ihre Anstrengungen zunehmend auf nationaler Ebene. Die Unterlassungsschreiben aus Tennessee wurden auch an Generalstaatsanwalt Jonathan Skrmetti weitergeleitet. Dieser hatte sich bereits im Dezember 2025 mit 37 weiteren Generalstaatsanwälten einem Amicus-Brief zur Unterstützung der Klage Marylands gegen Kalshi angeschlossen.

Milliardenmarkt im Aufwind trotz Rechtsunsicherheit

Die regulatorischen Hürden bremsen das explosionsartige Wachstum der Branche bisher kaum. Kalshi meldete allein für November 2025 ein Handelsvolumen von 4,54 Milliarden Dollar. Polymarket erhielt im Oktober 2025 eine Investition von 2 Milliarden Dollar von der Intercontinental Exchange, der Muttergesellschaft der New Yorker Börse, bei einer Bewertung zwischen 8 und 9 Milliarden Dollar. Die Plattformen haben Milliarden an Risikokapital angezogen und Partnerschaften mit großen Sportligen sowie Finanzinstituten geschlossen. Der finanzielle Erfolg steht jedoch in krassem Gegensatz zur rechtlichen Unsicherheit. Die geografische Reichweite und langfristige Überlebensfähigkeit der Branche in den USA bleiben fraglich, solange der Grundsatzkonflikt zwischen Bundes- und Staatsrecht nicht geklärt ist.

Tennessees lizenzierter Sportwettenmarkt generierte 2025 etwa 5,5 Milliarden Dollar an jährlichem Wettumsatz. Die Steuereinnahmen fließen in die Bildungsfinanzierung des Bundesstaates. Behörden schätzen, dass unlizenzierte Offshore- und unregulierte Plattformen für rund 30 Prozent der entgangenen Steuereinnahmen verantwortlich sind.

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