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NFL fordert Supreme Court zum Eingreifen bei Prediction Markets auf

  • NFL schaltet sich in Grundsatzstreit ein: Die Football-Liga hat am 8. Oktober 2026 einen Amicus-Schriftsatz beim US Supreme Court eingereicht. Darin unterstützt sie New Jersey im Verfahren Flaherty v. KalshiEx, LLC.
  • Football dominiert den Handel: Am ersten Spieltag der Saison 2026 entfielen 1,8 Milliarden der insgesamt 3,3 Milliarden Dollar Handelsvolumen auf NFL-Kontrakte. Damit ging mehr als die Hälfte des gesamten Marktvolumens an diesem Sonntag auf das Konto der Liga.
  • Bundesstaaten statt Bundesbehörde: Nach Ansicht der NFL gehören Sportkontrakte unter die Glücksspielaufsicht der Bundesstaaten. Die CFTC sei personell zu dünn besetzt, um die Integrität des Sports wirksam zu schützen.
  • Gespaltene Berufungsgerichte: Der 3. Circuit gab Kalshi recht, der 6. und 9. Circuit stellten sich auf die Seite der Bundesstaaten. Dieser offene Widerspruch macht eine Annahme durch den Supreme Court wahrscheinlich.
  • Konkrete Forderungen: Die Liga verlangt ein Mindestalter von 21 Jahren und ein Verbot manipulationsanfälliger Wettarten. Darunter fallen Kontrakte auf einzelne Spielaktionen, Schiedsrichterentscheidungen und Verletzungen.
  • Breite Allianz gegen Kalshi: 39 Bundesstaaten samt District of Columbia, mehrere Stammesnationen und der Verband NCLGS stützen den Antrag New Jerseys. Kalshi, Polymarket und die CFTC weisen die Kritik der NFL zurück.
  • Entscheidung frühestens im Dezember: Kalshi muss bis zum 9. November auf den Antrag antworten. Ob die Richter den Fall annehmen, dürfte sich nicht vor Dezember klären.
Redakteur Simon
Redakteur
Redakteur Enrico
Geprüft durch
  • Enrico Kierakow
Veröffentlicht

12.10.2026

Aktualisiert

12.10.2026

Die NFL wechselt den Schauplatz

Lange hat die NFL ihren Feldzug gegen Prediction Markets über Kommentarbriefe an Behörden und Lobbyarbeit geführt. Jetzt verlagert die Liga den Konflikt nach Washington, an das höchste Gericht des Landes. Am Donnerstag, dem 8. Oktober 2026, reichte sie einen 24-seitigen Amicus-Curiae-Schriftsatz ein und stellte sich damit hinter New Jersey, das sich mit Kalshi im Verfahren Flaherty v. KalshiEx, LLC einen erbitterten Rechtsstreit liefert. Die Kernthese der Liga ist unmissverständlich: Wer auf den Ausgang eines Footballspiels setzt, wettet. Daran ändere auch das Etikett „Finanzderivat“ nichts, das die Plattformen ihren Produkten verpassen. Technisch ähneln die Plattformen eher Wettbörsen, auf denen Nutzer gegeneinander handeln, als einem klassischen Buchmacher.

Jede Verzögerung durch das Gericht wird zu wachsendem Schaden für Verbraucher und steigenden Risiken für die Integrität des Spiels führen.

Die Zahlen, mit denen die NFL argumentiert, lassen aufhorchen. Am Eröffnungssonntag der Saison 2026 wechselten auf Prediction-Market-Plattformen insgesamt 3,3 Milliarden Dollar den Besitzer. Davon flossen 1,8 Milliarden in Kontrakte rund um NFL-Spiele, die sich inhaltlich kaum von klassischen NFL Wetten unterscheiden. Auch bei Kalshi selbst ist Football das Zugpferd: Am vergangenen Sonntag stammten laut dem Analysedienst Ticker Tracker 65,8 Prozent des Sportvolumens der Plattform aus NFL-Märkten.

Aus dieser Größenordnung leitet die Liga ihre Eile ab. Die Richter sollen Klarheit schaffen, bevor eine weitere Saison ungeregelt verstreicht, idealerweise noch vor dem Ende der laufenden Spielzeit im Januar. Prediction Markets grundsätzlich abschaffen will die NFL ausdrücklich nicht. Ihr geht es um eine andere Frage: Wer schreibt die Spielregeln für einen Markt, der Woche für Woche Milliarden bewegt?

Ein Kontrakt, zwei Rechtswirklichkeiten

Im Zentrum steht eine juristische Grundsatzfrage. Kalshi und andere Anbieter stufen ihre Sportkontrakte als Swaps ein, also als Finanzinstrumente, für die allein die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) zuständig wäre. Setzt sich diese Lesart durch, könnten die Plattformen in allen 50 Bundesstaaten gleichzeitig operieren, ohne eine der dort üblichen Sportwetten-Lizenzen vorzuweisen. Lizenzierte Sportwettenanbieter genießen diesen Wettbewerbsvorteil nicht. Die NFL kontert in ihrem Schriftsatz mit einer rhetorischen Gegenfrage: Welche Verfassungsbefugnis erlaube es dem Kongress überhaupt, die angestammte Hoheit der Bundesstaaten über das Glücksspiel auszuhebeln?

Die Gerichte liefern bislang widersprüchliche Antworten. Im April 2026 bestätigte der 3. Circuit mit zwei zu einer Stimme eine einstweilige Verfügung zugunsten von Kalshi und sah New Jerseys Wettgesetze durch Bundesrecht verdrängt. Ende August urteilte der 9. Circuit im Fall Nevada exakt andersherum und bekräftigte diese Linie wenig später in einem Verfahren um den Stamm Blue Lake Rancheria. Auch der 6. Circuit erlaubte Ohio und Tennessee, ihre Glücksspielgesetze gegen Kalshi durchzusetzen, solange die Klagen anhängig sind.

Für den Supreme Court ist ein solcher Riss zwischen Berufungsgerichten ein klassischer Anlass, einen Fall an sich zu ziehen. New Jerseys Generalstaatsanwältin Jennifer Davenport beantragte die Überprüfung am 2. September. Kalshi hat nun bis zum 9. November Zeit für eine Erwiderung, eine Entscheidung über die Annahme erwarten Beobachter nicht vor Dezember. Winken die Richter ab, bleibt das Urteil des 3. Circuit für New Jersey bindend und dürfte Plattformbetreibern in künftigen Auseinandersetzungen als Munition dienen.

Die Wunschliste der Liga

Im Schriftsatz zählt die NFL die Wettarten auf, die sie für besonders heikel hält. Ganz oben stehen Kontrakte, deren Ausgang ein einzelner Akteur steuern kann: ein bewusst verschossenes Field Goal etwa oder ein absichtlich fallengelassener Ball. Dazu kommen Ereignisse, die Insider schon vorab kennen, etwa der erste Spielzug einer Partie. Auch Kontrakte auf Schiedsrichterentscheidungen oder Verletzungen von Spielern hält die Liga für grundsätzlich inakzeptabel.

Beim Jugendschutz sieht die NFL eine klaffende Lücke. In den meisten Bundesstaaten mit legalen Sportwetten dürfen erst 21-Jährige einen Wettschein abgeben. Auf Prediction Markets handeln dagegen bereits 18-Jährige ganz legal. Zusätzlich verlangt die Liga, dass die Plattformen gemeinsam mit ihr Listen von Personen pflegen, denen der Handel verboten ist.

Neu sind diese Forderungen nicht. Schon Ende Juli hatte NFL-Vizepräsident Brendon Plack in einem siebenseitigen Brief an CFTC-Chef Michael Selig die Regelentwürfe der Behörde als ungenügend abgekanzelt und Verbote für Mikrowetten, Spieler-Props und Award-Märkte gefordert. Zusammen mit NBA und NCAA warb die NFL damals bereits für die Altersgrenze von 21 Jahren. Bewegt habe sich seither nichts, lautet der Vorwurf. Eine Quelle aus der Liga stellte gegenüber ESPN allerdings klar, dass die NFL auch mit einem bundesweiten Rahmen leben könne, sofern dieser das Schutzniveau der Bundesstaaten erreiche.

Alleingang mit Vorgeschichte

Unter den großen Profiligen bildet die NFL mit ihrer harten Linie eine Minderheit. Die NHL kooperiert sowohl mit Kalshi als auch mit Polymarket, MLB, MLS und UFC haben Verträge mit Polymarket geschlossen. Nur NFL, NBA und die PGA verzichten bislang auf solche Deals. Die Football-Liga geht sogar noch weiter und lässt keine Werbung von Prediction-Market-Plattformen zu. Commissioner Roger Goodell begründete den Kurs im September mit strategischer Geduld: Die Liga wolle lieber richtig liegen als die Erste sein. Skeptiker in der Branche erinnern allerdings an ein bekanntes Muster. Vor dem Murphy-Urteil von 2018, das den Bundesstaaten den Weg zu legalen Sportwetten ebnete, zählte die NFL zu den lautesten Gegnern. Wenige Jahre später kassierte sie Berichten zufolge mehr als 270 Millionen Dollar jährlich aus Partnerschaften mit Caesars, DraftKings und FanDuel.

Mit dem Markt wächst auch der Druck auf alle Beteiligten. Kalshi verbuchte bis Ende August 2026 Handelsumsätze von mehr als 173 Milliarden Dollar, rund vier Fünftel davon mit Sportkontrakten. Zum Vergleich: Sämtliche registrierten Börsen zusammen kamen im gesamten Jahr 2025 auf 25 Milliarden Dollar. Nimmt der Supreme Court den Fall an, wäre sein Urteil die folgenreichste Weichenstellung für das amerikanische Sportwettengeschäft seit Murphy.

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