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SBC Summit 2026: Brasilien-Schock und Österreichs Marktöffnung

  • Brasiliens Verbot überschattet den Auftakt
    Vier Tage vor Beginn des Summits untersagte Brasilien per Eilverordnung Festquotenwetten und Online-Casinospiele. Flutter, Allwyn und Betsson reagierten auf offener Bühne mit scharfer Kritik.
  • Österreich verabschiedet sich vom Online-Monopol
    Nach rund zwei Jahrzehnten Exklusivität für Win2Day soll ein Mehrlizenzsystem entstehen. Experten sprechen von einem historischen Schritt, halten den Zeitplan aber für äußerst ehrgeizig.
  • Zahl der Bewerber bleibt ein Rätsel
    Das Wiener Finanzministerium rechnet mit etwa 20 Lizenzanträgen, Branchenvertreter halten weniger als zehn für realistisch. Als größter Stolperstein gilt die steuerliche Behandlung von Rückzahlungen aus Spielerklagen.
  • EGBA zielt auf Zahlungsdienstleister
    Der europäische Branchenverband will gegen Firmen vorgehen, die am illegalen Glücksspiel mitverdienen. Von der EU-Kommission verlangt er eine unionsweite Untersuchung illegaler Online-Angebote.
  • Prediction Markets prägen den Schlusstag
    Juristen von Kalshi, Crypto.com und Betr stritten darüber, ob Ereigniskontrakte rechtlich als Glücksspiel einzustufen sind. In den USA dürfte am Ende der Supreme Court das letzte Wort haben.
  • Michael Jordan als Publikumsmagnet
    Die NBA-Legende diskutierte mit den Chefs von Sportradar und DraftKings über das neue Verhältnis zwischen Fans und Sport. Für 2027 ist bereits Snoop Dogg als Stargast angekündigt.
  • Lissabon bleibt bis 2030 Gastgeber
    SBC hat einen langfristigen Vertrag mit Turismo de Portugal, der Stadt Lissabon und Lisboa FCE unterzeichnet. Die nächste Ausgabe steigt vom 21. bis 23. September 2027.
Redakteur Simon
Redakteur
Redakteur Enrico
Geprüft durch
  • Enrico Kierakow
Veröffentlicht

05.10.2026

Aktualisiert

05.10.2026

Kalte Dusche aus Brasília: Branchenspitzen rechnen mit dem Wettverbot ab

Als sich die Glücksspielbranche am 29. September in Lissabon versammelte, stand das Gesprächsthema längst fest. Nur vier Tage zuvor hatte Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva die Provisorische Maßnahme Nr. 1.394 unterzeichnet. Sie verbietet Betrieb, Vermittlung und Werbung für Festquotenwetten, also auch klassische Sportwetten, sowie Online-Casinospiele und trat unmittelbar mit ihrer Veröffentlichung in Kraft. Billigen nicht beide Kammern des Kongresses die Maßnahme, verliert sie nach höchstens 120 Tagen ihre Gültigkeit, parlamentarische Pausen nicht eingerechnet. Für einen Markt, in den internationale Wettanbieter erst vor Kurzem Millionen für Lizenzen und Infrastruktur gesteckt hatten, kommt das einer Vollbremsung gleich.

Auf dem CEO-Panel machten die Konzernvertreter aus ihrem Ärger kein Geheimnis. Tom Bowry, Chief Strategy Officer von Flutter International, erinnerte daran, dass sein Unternehmen nach Brasilien gegangen sei, um dort ein sicheres und kontrolliertes Angebot aufzubauen, ein Verbot verfehle jedes dieser Ziele. Kresimir Spajic, CEO von Allwyn Digital, räumte ein, von dem Schritt kalt erwischt worden zu sein, und bezweifelte, dass er irgendeines der eigentlichen Probleme löse. Allwyn hält 36,75 Prozent an Kaizen Gaming, dem Betreiber von Betano. Betsson-Chef Jesper Svensson sieht das Vertrauen in den Standort beschädigt, und zwar auf Jahre hinaus.

Den regulierten Markt zu zerschlagen, ist nicht die Antwort.

Bemerkenswert: Die härteste Kritik kam nicht allein aus dem Lager der Anbieter. SIGA-Chef Macedo de Medeiros stellte klar, dass er für die Sportverbände spreche und nicht für die Wettindustrie. Brasília habe weder SIGA noch die International Betting Integrity Association (IBIA), IC360 oder Sportradar in die Entscheidung eingebunden. Staatliches Handeln brauche eine belastbare Faktenbasis, Augenmaß und eine geordnete Übergangsphase, nichts davon sei in Brasilien erkennbar gewesen. Wie groß die Nervosität im Fußball ist, belegt eine Warnung von neun brasilianischen Klubs, die laut Insider Sport ohne Wetteinnahmen in die Zahlungsunfähigkeit schlittern könnten.

Österreich: Ein Monopol fällt, der Fahrplan wackelt

Aus Sicht des DACH-Raums lieferte Lissabon die vielleicht folgenreichste Nachricht der Woche. Auf dem Panel „DACH in the Driver’s Seat” ging es am Dienstag um Österreichs Abkehr von einem Online-Monopol, das seit rund 20 Jahren Bestand hat. Felix Hohenthanner, Regulierungsanwalt bei Rapani Rechtsanwälte, nannte die Öffnung im Anschluss gegenüber iGB einen gewaltigen Umbruch für sämtliche Akteure im Land. Gemeinsam mit Simon Priglinger-Simader, Präsident des Branchenverbands OVWG, erinnerte er daran, dass vor zwei oder drei Jahren kaum jemand eine solche Wende für möglich gehalten hätte. Nun liegt ein Gesetzentwurf vor, der Win2Day den Status als einzigen legalen Online-Anbieter nehmen soll.

Den Kurswechsel erzwingen vor allem zwei Faktoren. Die Kanalisierungsrate, also der Anteil des Online-Spiels, der beim legalen Angebot landet, liegt nach Einschätzung der beiden Experten bei lediglich rund 30 Prozent. Der große Rest fließt zu Anbietern ohne österreichische Lizenz und damit am Fiskus vorbei. Gleichzeitig steckt die Republik in einem EU-Defizitverfahren und sucht händeringend nach zusätzlichen Steuereinnahmen. Ein Lizenzmarkt verspricht beides: mehr Kontrolle über das Spielgeschehen und frisches Geld für das Budget.

Der Haken liegt im Kalender. Laut Entwurf sollen Anbieter ab dem 1. Januar 2027 Anträge einreichen können, gültig werden die Lizenzen am 1. Oktober 2027, wenn die Online-Konzession von Win2Day ausläuft. Hohenthanner hält diesen Fahrplan für sehr ambitioniert, zumal schon jetzt Verfahrensschritte gestrafft wurden. Die Begutachtungsfrist dauerte nur zwei Wochen, mehr als 100 Stellungnahmen gingen ein, und doch reichte die Regierung den Text praktisch unverändert zur Notifizierung in Brüssel ein. Eine angekündigte Stellungnahme Maltas könnte das Inkrafttreten nun hinauszögern, weshalb Hohenthanner nicht daran glaubt, dass im ersten Quartal 2027 bereits ein Lizenzverfahren läuft.

Steuerfalle und Altlasten: Wie viele Anbieter wagen den Sprung nach Österreich?

Wie zugkräftig der neue Markt tatsächlich wird, kann derzeit niemand seriös beziffern. Das Finanzministerium rechnet nach Angaben von Priglinger-Simader mit rund 20 Anträgen. Sein Verband, der in den vergangenen zwei Jahren zahlreiche Gespräche mit den Regierungsparteien geführt hat, hält dagegen: Werden die Kernprobleme nicht gelöst, könnten es auch weniger als zehn sein. Noch zurückhaltender äußerte sich Arthur Stadler, Gründungspartner von Stadler Partners, der auf dem Podium mit höchstens fünf bis zehn Bewerbern rechnete.

Den größten Knackpunkt sieht der OVWG-Präsident in einer steuerlichen Detailregel mit großer Wirkung. Geld, das Anbieter infolge von Spielerklagen zurückzahlen müssen, soll die steuerliche Bemessungsgrundlage nicht mindern dürfen. Dazu kommen Altlasten: Wer bereits in Österreich aktiv war, muss offene Spielerforderungen und Steuerrückstände begleichen, bevor eine Lizenz in Reichweite rückt. Wer nach dem 1. Januar 2027 weiter ohne Lizenz Kunden bedient, wird für 18 Monate von der Antragstellung ausgeschlossen. Für viele Graumarktanbieter wird der Jahreswechsel damit zur strategischen Weggabelung.

Offen ist auch, wie der Staat das neue System durchsetzen will. Die Behörde, die illegale Angebote über Zahlungs- und IP-Sperren aussperren soll, muss erst noch geschaffen werden. Gefragt, ab wann die Sperren greifen, antwortete Hohenthanner mit trockenem Humor: „Ich wäre ein Zauberer, wenn ich Ihnen ein Datum nennen könnte.” Priglinger-Simader legte die Latte bei 15 Lizenznehmern, ab dann dürfe man von einem Erfolg sprechen, und sieht die Regierung in der Pflicht nachzujustieren, falls die Anträge Anfang 2027 ausbleiben. Hohenthanners Fazit fällt denkbar knapp aus: Nur ein attraktives legales Produkt holt Spieler in den regulierten Markt.

Jordan, Snoop Dogg und ein Vertrag bis 2030: Lissabon setzt auf Starpower und Planungssicherheit

Für den Glanz sorgte am Eröffnungstag Michael Jordan. Der sechsmalige NBA-Champion, der den Boards von Sportradar und DraftKings als Sonderberater angehört, saß auf der Super Stage neben Sportradar-Gründer Carsten Koerl und DraftKings-CEO Jason Robins. Jordan machte deutlich, dass er nur Partnerschaften eingeht, die zu ihm passen: Dass man ihn als Werbefigur nutze, sei ihm bewusst, die Verbindung zum Konsumenten müsse aber glaubwürdig sein. Die heutigen Fans verstünden ihren Sport besser als früher und wollten aktiv am Ausgang mitwirken, statt nur zuzuschauen. „Heute sind die Fans die Athleten”, fasste er den Wandel zusammen.

Koerl betonte in derselben Runde das wachsende Gewicht einzelner Spieler im Sport-Ökosystem, während Robins den Druck ansprach, der auf Athleten lastet, wenn Fans Geld auf ein Ergebnis gesetzt haben. Am zweiten Tag zog Fabrizio Romano, mit mehr als 70 Millionen Followern der bekannteste Transferjournalist der Welt, die Massen in die MEO Arena. Gemeinsam mit Lasha Machavariani, Gründer von SMH Global, sprach er darüber, wie man eine Medienmarke auf Tempo und Glaubwürdigkeit baut und worauf er bei Partnerschaften mit Wett- und Affiliate-Marken achtet. Ebenfalls auf der Super Stage zu sehen waren UFC-Star Charles Oliveira sowie der argentinische Fußballverband. Am Schlusstag folgte per Videobotschaft die Ankündigung für 2027: Snoop Dogg kommt nach Lissabon, in Kooperation mit Kerma Games.

Dass Lissabon dafür die Kulisse bleibt, ist nun vertraglich besiegelt. SBC unterzeichnete zum Abschluss des Summits eine Vereinbarung mit Turismo de Portugal, der Stadt Lissabon und Lisboa FCE, die das Event mindestens bis 2030 in der portugiesischen Hauptstadt hält. Gründer und CEO Rasmus Sojmark begründete den Schritt mit Planungssicherheit für Veranstalter, Partner und Besucher, die Kombination aus dem Messegelände FIL und der MEO Arena bietet zudem die nötige Größe. Endgültige Besucherzahlen nannte SBC noch nicht, die Gäste reisten aber aus 178 Ländern an und buchten schätzungsweise 85.000 Hotelnächte. Weil die G2E in Las Vegas in dieselbe Woche fiel, mussten sich viele Branchenvertreter zwischen beiden Messen entscheiden; 2027 liegen die Termine eine Woche auseinander.

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